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EULAN und seine Alternativen.
Verschon' uns liebe Motte doch, lass unsere Filze ohne
Loch!!!
Eine Untersuchung zur Vermeidung von Wollschäden
durch fressende Insekten.
Von Bruno Bujack, Düsseldorf.
Schon beim Schreiben meines Buches über die theoretischen Grundlagen
der Herstellung von Wollfilz habe ich zu dem Thema Schädlingsbekämpfung
recherchiert. Doch angespornt durch den Diskussionsbeitrag von Birgit
Vogeler in der FUN Nr. 17 habe ich mich speziell mit den chemischen Abwehrmöglichkeiten
von Fraßschädlingen bei Wollprodukten noch einmal befasst.
Neben einigen Büchern zur Textilveredelung habe ich vor allem im
Internet recherchiert. Es gibt tausende von Hinweisen, Artikeln, Produktangeboten,
die man gar nicht alle durcharbeiten kann. Alleine zu EULAN gibt es über
2000 Beiträge. Aber mit etwas Geduld und Spürsinn findet man
heraus, dass sich viele in ihren Aussagen wiederholen. Besonders wichtig
waren mir Informationen aus wissenschaftlichen Arbeiten und Veröffentlichungen
vom Umweltministerium und von Umweltverbänden.
Das (nach meiner Meinung) Wichtigste habe ich im folgenden zusammengefasst.
Um Missverständnissen vorzubeugen folgender Hinweis: Schädlingsbekämpfungsmittel
in der Landwirtschaft nennt man Insektizide. Im Innenraum eingesetzte
Mittel werden als Biozide bezeichnet. Pestizide werden in der Landwirtschaft
sowohl gegen tierische Schädlinge als auch gegen Wildkräuter
eingesetzt. In unseren Fällen meinen wir Biozide obwohl dieser Begriff
sich nicht auf die Bekämpfung von Insekten beschränkt.
Vorweg eine Bemerkung, die mir wichtig ist: Wir sprechen in dem Zusammenhang
mit diesem Thema gerne von "Schädlingen". Das ist natürlich
ein typisch menschlicher Begriff. Alle diese Vorgänge haben im ewigen
Kreislauf von Werden und Vergehen ihren wichtigen Platz.
Die Motten gibt es nicht erst seit dem sie die Menschen ärgern.
Sie (beziehungsweise ihre Maden ) fraßen schon immer am liebsten
Haare. Und in der Natur fallen viele davon an. Denken wir nur an die vielen
ständig verendenden Tiere. Was würde wohl passieren, wenn die
Haare nicht verrotten und/oder gefressen würden. Das gleiche gilt
für all die anderen Tiere und Mikroben oder Pilze.
"Schädlinge" sind sie nur für uns. Und selbstverständlich
freuen wir uns nicht darüber wenn der schöne Filz entweder vergammelt,
verrottet oder aufgefressen wird. Ich übrigens auch nicht!
Wollschäden ganz allgemein.
Schäden an Wolle oder an Erzeugnissen aus Wolle (zum Beispiel FILZ)
entstehen auf mehrere Arten. Durch Bakterien (Fäulnis, Verrottung),
durch Pilzbefall (Schimmelbildung) und durch Fraßschädlinge.
Der Fäulnis und dem Schimmelbefall begegnen wir durch eine entsprechende
Hygiene.
Bakterien sind Lebewesen aus Proteinen (Eiweißkombinationen), sie
fühlen sich in saurer Umgebung wohler als in alkalischer.
Bei Schimmelbildung ist es genau entgegengesetzt. Dies sind letztlich
pflanzliche Stoffe, die empfindlich auf Säuren aber tolerant gegen
Alkalien reagieren.
Bakterienbefall ist selten, wenn dann bekämpfen wir ihn mit Bakteriziden
(z.B. Teebaumöl, Neemöl oder anderen terpentinhaltigen Stoffen)
oder mit Sulfonamiden (Antibiotika).
Da sich Wolle in leicht saurer Umgebung (Ph um 5) am wohlsten fühlt,
ist sie in einer solchen Umgebung gegen Schimmelbefall dann optimal geschützt,
wenn wir zusätzlich für eine trockene und nicht zu warme Umgebung
sorgen.
Vorsicht bei Resten von Seife!! Seifen sind immer alkalisch. In warmfeuchter
Umgebung und einem hohen Ph-Wert verschimmelt Wolle sehr schnell.
Eine sehr alte Weisheit: Wolle nach dem Waschen und Walken immer in einem
Essigbad leicht sauer einstellen und trocken aufbewahren. Das hält
die Wolle gesund.
Die größeren Sorgen bereiten uns die Fraßschädlinge.
Fraßschädlinge.
Fraßschädlinge sind in unserer Klimazone vor allem die Maden
der Kleidermotten und die Larven der Wollkrautblütenkäfer
(häufig als gestreifte Teppichkäfer benannt). Erwachsene Motten
fressen nicht. Käfer leben von Pollen und Blütennektar.
Bei beiden Arten sind es die befruchteten Weibchen, die wir von der Wolle
fernhalten müssen.
Mottenweibchen legen jeweils 100 bis 200 Eier und sterben dann.
Die Eier sind sehr widerstandsfähig und können lange auf ein
günstiges Klima zur Weiterentwicklung warten. Die ausgeschlüpften
Maden (kleine Raupen) fressen besonders gerne Eiweißstoffe und hier
vor allem Keratine (aus denen bekanntlich unsere Wolle, aber auch Felle,
Pelze, Klauen und Federn bestehen). Die Fraßspuren sind meist flächig.
Nach einiger Zeit verpuppen sie sich um nach dem Ausschlüpfen als
fertige Motten erneut auf Braut- oder Bräutigamssuche auszufliegen
und den Kreislauf fortzusetzen. Unbefruchtete Weibchen scheiden einen
starken Duftstoff (Pheromone) aus und warten auf die intensiv herumfliegenden
und suchenden Männchen. Die Weibchen sind unbefruchtet kaum aktiv.
Sie würden ja den aufgebauten Pheromonbereich verlassen.
Hier können wir eingreifen. Mit sogenannten Pheromonfallen,
die neben dem Lockstoff eine wirksame Klebeschicht enthalten, locken wir
die Motten-Männchen an und halten sie fest. Nach ganz kurzer Zeit
sterben sie und trocknen aus. Gelingt es uns, viele Männchen unschädlich
zu ma-chen, werden die Weibchen nicht befruchtet. Es entstehen keine Eier.
Der Kreislauf wird unterbrochen.
Bei den Käfern klappt das leider nicht so einfach.
Sie fliegen nicht innerhalb von Räumen sondern leben in der freien
Natur. Zwar suchen auch hier die Männchen die Weibchen, die dann
die Eier legen, doch lassen sie sich nicht in Fallen locken. Wo sollten
wir die auch hinstellen?
Nach der Befruchtung suchen die Weibchen nach günstigen Standorten
für die Eiablage. Dabei bevorzugen sie Haare, Wolle und Federn.
Aus den Eiern, die ebenfalls sehr widerstandsfähig sind, schlüpfen
Larven, die fast alle organischen Stoffe fressen (auch Hundefutter und
Müsli). Mit besonderer Vorliebe Keratine (also Haare und Federn)
und Chitine (Substanz der Haut und Schalen von Insekten).
Sowohl die Käfer als auch die Larven sind klein und gut getarnt.
Käfer 2,5 - 4 mm, dunkel-braun mit helleren Querstreifen. Larven
etwa 7mm, hellbeige, viele Beinpaare, haben Ähnlichkeit mit kleinen
haarigen Raupen. (Wunderbare Fotos und Beschreibungen bei Wikipedia, einfach
unter dem Suchbegriff "Wolkrautblütenkäfer" im web,
z.B. bei Google suchen lassen. ) Wir sehen sie meist nicht.
Die Schäden sind sehr groß, gerade weil wir sie nicht erkennen.
Außerdem fressen sie gerne Gänge, die tief in die Textilstrukturen
(auch dickere Filze) hineinreichen. Von außen sehen wir nur ein
kleine Löcher. Sie erinnern oft an Holzwurmlöcher.
Die Schäden durch diese Käfer nehmen insgesamt zu. Die Käfer
lieben eigentlich warme Gegenden. Mit der Klimaerwärmung tauchen
diese (und in Zukunft wohl auch noch andere Arten) vermehrt auch in Zonen
auf, die sie ursprünglich kaum kannten.
Unser Hauptproblem liegt in der guten Tarnung und darin, dass sie so
sehr klein sind. Jede fliegende Motte löst Panik bei uns aus. Dabei
sind es meistens Männchen. Aber die (weiblichen) Käfer fliegen
zum Fenster herein, legen ihre Eier ab und verschwinden wieder. Das bekommen
wir gar nicht mit. Erst wenn die (ebenfalls gut getarnten) Larven herumkrabbeln
haben wir eine Chance sie zu entdecken. Auch die Neigung der Larven sich
in die Textilstruktur hinein zu fressen und auf der Oberfläche nur
kleine Löcher zu hinterlassen, führt dazu, dass wir sie nicht
entdecken.
Da sich niemals alle Männchen bei den Motten und
kaum welche von den Käfern daran hin-dern lassen, Weibchen zu befruchten,
müssen wir etwas gegen die eigentlichen Schädlinge, die Maden
und Larven unternehmen.
Beide Arten meiden Licht und fühlen sich in warmfeuchter Umgebung
besonders wohl. Mit einer guten Hygiene können wir auch hier vorbeugen.
Also noch mal:
Sauberkeit, Licht, mittlere Luftfeuchtigkeit, niedrige
Temperaturen und ein leicht saures Niveau (Ph um 5) sind allemal die wichtigsten
Voraussetzungen für unbelastete Wollprodukte.
Die saure Umgebung sorgt für eine stabile Kutikula (der Oberfläche)
der Wollfasern. Den Maden oder Larven schadet sie leider nicht.
Durch Laugen angegriffene Oberflächen sind auch gegenüber fressenden
Schädlingen geschwächt.
Übrigens, Lanolin (Wollfett) schützt
nicht!! Es lockt durch intensiven Geruch an. Darum wird ungewaschene Wolle
besonders oft befallen!!
Was können wir sonst noch unternehmen?
Wir können sie fernhalten, abschrecken oder töten.
Fernhalten.
Das einfachste ist es natürlich die zu schützenden Sachen (nachdem
wir sie beispielsweise in einem Tiefkühlfach von allen Schädlingen
befreit haben) gut zu verschließen. Dichte Schränke, feste
und dichte Kartons oder gut verschlossene Tüten halten Schädlinge
fern. Achtung keine feuchte Wolle luftdicht verpacken! Gefahr von Schimmel!
Sind vorher schon Eier in der Wolle, dann nützt das alles nichts.
Ist uns leider schon passiert. Wir haben neu erworbene Wolle in einem
dichten Plastiksack dicht verschlossen. Die Wolle war wenig gereinigt
und roch stark nach Schaf. Nach längerer zeit haben wir den Sack
geöffnet. Es kam uns eine Wolke von erwachsnen Motten entgegen. Die
Eier müssen schon vorher in der Wolle gewesen sein. Danach waren
wir wochenlang mit der Abwehr beschäftigt. Pheromonfallen, Tiefkühlschrank,
Lavendel und Mottenpapiere waren im Einsatz. Nie wieder haben wir Wolle
verschlossen ohne sie vorher im Tiefkühlschrank für längere
zeit eingelagert zu haben.
Räume, in welchen Wolle gelagert wird, schützen wir ziemlich
sicher durch die Anbringung von Fliegengittern. Bei den Käfern (und
die kommen fast immer von draußen) muss das Gitter ziemlich engmaschig
sein.
Tarnen (Duftstoffe).
Alle Insekten können sehr gut riechen. Sie orientieren sich nach
Gerüchen und nehmen schon geringste Konzentrationen wahr. Mit stark
riechenden Substanzen können wir sie in die Irre führen. Wir
setzen gerne Substanzen ein, die von den Larven und Maden gemieden werden
(Bitterstoffe die eklig schmecken). Die Wirkung ist also zweifach. Zum
einen verstecken wir den Geruch der Wolle hinter einem stark duftendem
Schirm und zum anderen verleiden wir ihnen den Geschmack. Wir vergrämen
sie.
Als Mittel kommen hier vor allem Lavendel, Citronellöl, Zedernholzöl,
Teebaumöl und ande-re ätherische Öle zur Anwendung. Zum
Teil wirken diese Mittel auch bakterizid, töten also Bakterien (Fäulnis
und andere). Die Verwendung solcher Mittel nenne ich gerne Tarnung, da
wir die Wolle damit hinter einem Dufttschirm verstecken.
Ihre Wirkung ist begrenzt. Irgendwann sind die Öle verdampft. Außerdem
sind sie nicht giftig. Überwindet sich also eine Made (oder Larve)
und frisst davon (weil nichts anders da ist) so wird sie keinen Schaden
nehmen.
Abschrecken (Repellentien).
Verschiedene Stoffe wirken auf Insekten durch ihren Geruch oder Geschmack
abschreckend. Bei der Abwehr sind nur solche Stoffe wirksam, die durch
Geruch abweisen. Fliegende Motten fressen nicht und die Maden haben praktisch
keine Alternative. Käferweibchen fressen keine Wolle.
Als Schreckmittel oder Repellentien kommen vor allem Mottenkugeln infrage.
Früher bestanden sie hauptsächlich aus Naphthalin, das ist jedoch
umweltschädlich und heute verboten.
Mottenkugeln enthalten heute meist Paradechlorbenzol. Dieses sublimiert.
Es entsteht direkt aus dem Festkörper ein Gas. Der Geruch vertreibt
Motten und andere Insekten ohne sie jedoch zu schädigen. Leider ist
der Geruch auch für uns sehr unangenehm.
Auch Citronellöl (aus Zitronengras) und Terpentine (z.B. im Teebaumöl,
Neemöl) wirken abschreckend, halten jedoch nicht lange vor.
Zedernöl und Lavendel sind nicht sehr wirksam, sie wirken mehr als
Tarnung (Gruppe der Duftstoffe) denn als Schreckmittel.
Töten.
Sind die Maden oder Larven erst einmal da, bleibt nur das Abtöten.
Das können wir entweder mit rein physikalischen Methoden erreichen
oder chemisch durch den Einsatz von Giften.
Alle Lebewesen benötigen ein bestimmtes Umgebungsklima. Die Eiweißverbindungen
aus denen sie bestehen, zerfallen bei hohen Temperaturen. Außerdem
bestehen sie zum großen Teil aus Wasser, welches entweder verdampfen
oder gefrieren kann. Bei sehr niedrigen Temperaturen wird die innere Struktur
zerstört.
Physikalische Methoden.
Als physikalische Methoden bieten sich also entweder hohe Temperaturen
(bei den Maden oder Larven über 75 - 80°C, bei den Eiern immer
über 100°C) oder sehr niedrige Temperaturen ( mind. -20°/-25°C)
als die umweltverträglichsten an.
Hohe Temperaturen sind in trockener Umgebung wirksamer als in feuchter.
Hohe Feuchtigkeit verhindert das Austrocknen. Die Sauna ist nicht unbedingt
die beste Wahl, vor allem nicht zum Zerstören der Eier. Da schon
eher der Warmluftbackofen, den wir genau steuern können.
Sehr schnell und effektiv ist die Anwendung von Mikrowellen. Aber wir
müssen vorsichtig mit allzu hohen Temperaturen sein (Wollschäden).
Außerdem sind die uns zur Verfügung stehenden Geräte ziemlich
klein.
Große Gefriertruhen nehmen auch große Teile auf. Durch die
sehr gute Wärmedämmung von Wolle müssen die Teile in jedem
Fall so lange in der Kälte bleiben, bis auch die Innenzonen Temperaturen
unter -20°C erreicht haben. Das kann schon einige Tage (oder Wochen)
dauern, vor allem bei kompakten, dicken Teilen oder wenn die Filze dicht
aufgerollt werden müssen um sie in die Truhe zu bekommen. Dies gilt
im Prinzip auch bei Wärmekammern.
Das Hauptproblem sind vor allem die Eier. Beim Filzen unbehandelter, befallener
Wolle werden die meisten lebenden Maden oder Larven sterben. Dies vor
allem beim Einsatz alkalischer Walkhilfen (Seifen). Aber die Eier werden
zum größten Teil überleben. Und dazu sind sie so klein,
dass wir sie nicht finden. Später wundern wir uns über den Befall.
Vor allem dann, wenn wir die Teile doch so gut verschlossen hatten.
Chemische Methoden.
Als chemische Methoden bieten sich verschiedene Gifte, sogenannte Biozide
an. Hier gibt es natürliche und synthetische Wirkstoffe. Sie wirken
auf recht unterschiedliche Weise.
Wir unterscheiden zwei Hauptgruppen: Fraßgifte und Kontaktgifte.
Fraßgifte.
Sie wirken meist etwas selektiver (Selektion = Auswahl), da sie ausschließlich
auf saugende oder fressende Tiere wirken. Sie gefährden deshalb nicht
einfach alle Insektenarten automatisch.
Die bekanntesten und lange Zeit populärsten synthetischen Mottenbekämpfungsmittel
sind die EULANE. Sie wurden von der Fa. Bayer entwickelt und waren jahrzehntelang
das Mottenmittel überhaupt. Der Wirkstoff ist PCSD/PCAD.
PCSD = Polychloro-2-diphenylether, PCAD = Polychloro-2-aminodiphenylether.
Die Stoffgruppe wird vereinfacht auch "Chlorophenylid" genannt.
PCAD ist ein sogenannter Metabolit (chemische Verunreinigung) des eigentlich
angestrebten PCSD. Die beiden Stoffe treten immer gemeinsam auf, darum
diese Schreibweise PCSD/PCAD.
Dies ist ein Fraßgift, welches unmittelbar auf ein Verdauungsferment
einwirkt und die Verdauung unterbricht. Die Tiere verhungern schnell.
Eigentlich eine tolle Sache. Was auch die enorme und schnelle Verbreitung
erklärt.
Aber leider sind diese Stoffe chemisch und thermisch sehr stabil. Sie
bleiben sehr lange erhalten und reichern sich an. Dies vor allem in Hausstäuben
(in die sie durch behandelte Teppiche gelangen) und vor allem im Wasser.
Wie gefährlich die Stäube, die sich auch im menschlichen Körper
durch Einatmen anreichern können, letztlich sind, wurde nie abschließend
untersucht. Die Fa. Bayer hat die Produktion 1988 ohne Angabe von Gründen
eingestellt. EULAN (und hier vor allem der Methabolit PCAD) gehört
in die gleiche Gruppe von Insektiziden wie Lindan, PCB und DDT. Diese
Stoffe wurden in der EU zwischenzeitlich verboten. Bei höheren Temperaturen
(über 100°C, z.B. beim Färben) können sich Dioxine
bilden, die krebsauslösend sind.
Mit Auslauf des Patentschutzes wurden Nachahmerprodukte, die auf die gleichen
Wirkstoffe aufbauen von Ciba-Geigy unter dem Produktnamen MITIN auf den
Markt gebracht. Außerdem stellen einige Osteuropäische Chemiefirmen
Produkte mit diesen Wirkstoffen her. EULAN war so populär, dass sich
das Verb "eulanisieren" als Synonym für Mottenschutz allgemein
etablierte und heute noch so verwendet wird. Auch dann wenn gar keine
EULANE eingesetzt werden.
Hier ein Zitat aus einer Veröffentlichung im Internet. Es zeigt
den derzeitigen Stand des Wis-sens um die Eulane. Nähere Informationen
im Internet unter:
www.arguk.de/infos/eulanpubl.html
EULAN WA NEU / EULAN U 33: Wirkstoffe und Vorkommen in Hausstäuben
Punkt 10: DISKUSSION (einer umfangreichen Ausarbeitung, die unter www.arguk.de
zu finden ist))
In Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei den PCSD und ihren Metaboliten
(Zerfallsproduke) PCAD um weitverbreitete, persistente (chem.stabile)
und vorzugsweise in Wohn-Innenräumen zum Einsatz gebrachte Umweltchemikalien
mit vergleichsweise hohem toxischen (giftigen) Potential handelt, ist
die Datenlage zu diesen Stoffen erstaunlich schmal.
Dies deutet darauf hin, dass es bei der Betrachtung dieser Stoffe unter
Vorsorge-Aspekten eine Reihe schwerwiegender Missverständnisse gegeben
haben könnte.
In erster Linie ist hier möglicherweise der Umstand von Bedeutung,
dass bereits der Begriff des "Aufziehens" der Zubereitung auf
Wolltextilien eine Bindungsstärke zwischen beiden sug-geriert, die
eine Freisetzung und unkontrollierte Verbreitung der Wirkstoffe in Umweltmedien
als sehr unwahrscheinlich erscheinen lässt. Die Hochsieder-Eigenschaft
der PCSD und der PCAD könnte diese Erwartung vielleicht noch verstärkt
haben. Vielleicht hat das Fehlen ei-ner Zulassungspflicht für insektizide
Teppichausrüstungsmittel hier seinen Grund.
In zweiter Linie muss wohl die Persistenz der PCSD und der PCAD unterschätzt
worden sein. Anders ist kaum zu erklären, dass diese Stoffgruppe
bei keiner Altlasten-Betrachtung in Er-scheinung tritt und bisher ohne
Primärvorsorge-Behandlung geblieben ist.
Nicht auszuschließen ist leider auch, dass mit Wissen um eine durchschnittliche
Verwen-dungsdauer von Teppichböden von 6-7 Jahren auf ein baldiges
Verschwinden der PCSD / PCAD-Quellen nach dem Produktionsende von EULAN
WA NEU und EULAN U 33 speku-liert worden ist. Dabei ist allerdings übersehen
worden, dass für hochwertige Wollteppiche die Nutzungsdauer viel
höher angesetzt werden muss.
Menschen, aus deren Wohnräumen die untersuchten Hausstäube stammen,
haben beim Vor-liegen mittlerer bis hoher PCSD / PCAD-Konzentrationen
zum Teil jahrelange Krankenge-schichten vorzuweisen.
Die Erforschung eines möglichen Zusammenhangs zwischen diesen Krankengeschichten
und einer PCSD-Exposition erscheint uns geboten und die Einführung
eines Maßstabes zur Pri-märvorsorge geradezu zwingend.
Soweit der Auszug. Er zeigt, dass die Verwendung von Eulanen und deren
Nachfolgeprodukte durchaus nicht so harmlos ist wie lange angenommen wurde.
Zudem sollte uns die Verseuchung der Umwelt, hier vor allem des Wassers
zu denken geben!
Eine natürliche Alternative als Fraßgift ist Neemöl,
oder eingedeutscht Niemöl.
Neemöl wird aus den Samenkernen des asiatischen Neembaumes gewonnen.
Es ist ein bei normaler Raumtemperatur recht zähflüssiges, gelbliches
Öl. Es enthält als Hauptwirkstoff das Azadirachtin. Es ist seit
sehr langer Zeit vor allem in Indien als Heil- und Hygienemittel be-kannt.
Es beeinträchtigt unmittelbar ein Hormon, welches für die Umwandlung
der Maden und Larven zu adulten (geschlechtsreifen) Tieren notwendig ist.
Außerdem hemmt es die Paarungs- und Kommunikationsfähigkeit
der Tiere die damit in Kontakt kommen (das gilt nur bei den Käfern,
wenn wir sie denn überhaupt erwischen. Motten fressen ja nicht).
Neemöl enthält auch andere Stoffe (z.B. Terpentine) die als
Repellentien oder Schreckmittel und zusätzlich bakterizid wirken.
Es ist ein Fraßgift und wirkt über den Verdauungsweg der saugenden
und fressenden Insekten.
Durch seinen abschreckenden Geruch schützt es vor Befall. Die Weibchen
vermeiden den Bereich. Durch starke Bitterstoffe schützt es gegen
Fraß. Und durch die entwicklungshemmenden Wirkstoffe verhindert
es die Entwicklung zu geschlechtsreifen Tieren. Der Kreislauf wird wirksam
unterbrochen.
Leider tötet es die Maden und Larven nicht unmittelbar. Sie fressen
(wenn es ihnen nicht zu bitter schmeckt) erst mal weiter.
Wie viele natürlichen Mittel baut es sich von alleine rückstandsfrei
ab, reichert sich also nicht an. Es ist unschädlich gegen andere
Insekten insbesondere gegen Nützlinge wie Bienen und andere Insekten
die keine Keratine oder Chitins fressen. Ob sie sich auf Insekten auswirken,
die ihrerseits die mit dem Gift infizierten Larven oder Maden fressen
(z.B. Marienkäfer, Ohrwürmer und ähnl.), wurde bisher offensichtlich
nicht untersucht. Ich fand dazu keine Literatur oder Arbeit.
Lange Zeit wurde Neemöl vor allem als Insektizid im (auch biologischen)
Pflanzenschutz oder zur Bekämpfung von Milben eingesetzt. Erst nachdem
hochkonzentrierte, alkoholische Lösungen entwickelt wurden, ist es
auch für den Einsatz als Textilschutz geeignet. Die Lösung wird
unmittelbar mit Pumpzerstäubern auf Wolle oder Teile aus Wolle aufgesprüht.
Da der Alkohol dabei verdampft, sollte man gut lüften. Der zunächst
recht unangenehme Geruch von Neemöl verflüchtigt sich schnell.
Es empfiehlt sich, die besprühten Teile einige Zeit ins Freie oder
an einen gut belüfteten Raum zu geben.
Kontaktgifte.
Sie wirken durch unmittelbaren Kontakt der Tiere mit den Wirkstoffen.
Dieser kann durch Berührung, Nahrungsaufnahme oder auch Einatmen
zustande kommen.
Die am meisten verwendeten Mittel sind das natürliche Pyrethrum
und die auf die gleichen chemischen Stoffen zurückgehenden künstlichen
Pyrethroide.
Das natürliche Pyrethrum wird aus den Blüten verschiedener
Chrysanthemenarten (Margeriten)gewonnen. Die Blüten werden getrocknet
und entweder pulverisiert (Wucherblumenpuder) oder in Flüssigkeiten
(z.B. Pistal) gegeben, in welchen ihre Substanzen gelöst werden.
Hauptwirk-stoffe sind sogenannte Pyrethrine (z.B. Permetrin).
Pyrethrine sind Kontaktgifte und wirken über das
Nervensystem der betroffenen Tiere. Sie sind sehr giftig für alle
Insekten und andere Kaltblüter. Insbesondere für Fische.
Erfahrungsbericht eines Aquarianers: Um lästige
Fliegen und Mücken von den Aquarien mit Zierfischen fern zu halten,
hatte man Mottenpapiere über den Becken aufgehängt. Nach relativ
kurzer Zeit starben immer mehr Fische in den Becken. Es dauerte lange
bis ein Zusammenhang mit den Mottenpapieren herausgefunden wurde. Mottenpapiere
enthalten meistens Permetrin, also Pyretroide.
Pyrethrum verliert seine Wirksamkeit schnell durch Oxydation in hellem
(Sonnen)-Licht. Es reichert sich darum in der Umwelt nicht an. Bei Haustieren
und Menschen lösen sie durch Einatmung von belasteten Stäuben
und direkten Hautkontakt häufig Allergien aus. Sie sind nicht giftig
bei Aufnahme über den Mund, sondern bauen sich im Körper schnell
ab.
Das beschränkte Vorkommen und die relativ kurze Wirkdauer (die im
Einsatz von nicht in-sektiziden Wirkstoffzugaben etwas verlängert
werden kann), haben dazu geführt, dass synthetische Wirkstoffe mit
der chemischen Struktur des Pyrethrins entwickelt wurden. Diese nennt
man Pyrethroide. Sie wirken sehr ähnlich, sind jedoch stabiler. Das
heißt, sie wirken länger und zerfallen nicht so schnell.
Letztlich zerfallen auch sie bei starkem Licht oder im Kontakt mit Sauerstoff
(z.B. Ozon).
Es gibt zwei verschiedene Typen. Beide wirken sich stark auf das Nervensystem
der damit in Kontakt geratenen Insekten auf. Sie sind ebenfalls sehr giftig
für ALLE Insekten und Fische. Bezüglich der Haustiere und Menschen
gilt das gleiche wie beim natürlichen Pyrethrum.
Typ I wird gehandelt unter den Bezeichnungen: Allethrin, Bioallethrin,
Cismerthrin, Per-methrin, und Tetramethrin.
Typ II wird gehandelt unter den Bezeichnungen: Cypermethrin, Deltamethrin,
und Fenvalerat.
Typ II wird als etwas kritischer in der Wirkung auf andere Tiere und Menschen
beschrieben. Vor allem in Bezug auf Allergien.
Stoßen wir auf diese Bezeichnungen, wissen wir, dass es sich um
Pyrethroide handelt.
Sie kommen in fast allen synthetischen Insektenbekämpfungsmitteln
zum Einsatz. Nicht nur beim Textilschutz sondern auch im Pflanzenschutz,
Holzschutz und bei der Bekämpfung von Parasiten. Es gibt sie als
Flüssigkeiten zum Aufsprühen oder zum Verdampfen in entsprechenden
Geräten, als Pulver und als Verdampferblättchen. Wollteppiche
müssen sogar mit einem wirksamen Mottenmittel imprägniert sein,
um das Wollsiegel tragen zu dürfen. Früher nahm man EULAN, darum
spricht man hier immer noch von "eulanisieren" obwohl fast nur
noch Pyrethroide zum Einsatz kommen.
Sehr verbreitet sind die sogenannten Mottenpapiere (Nexalotte, Paral usw.)
Dazu wird der Wirkstoff mit anderen Substanzen gemischt auf Papier aufgetragen
und verdampft langsam. Dabei wird die Umgebung imprägniert und giftig.
Die Wirkdauer ist unterschiedlich, je nach dem Lichteinfluss. Mottenpapiere
in dunklen Schränken oder auf der Rückseite von Filzwandteppichen
sind recht lange wirksam.
Zu den Pyrethroiden gibt es umfangreiche Literatur und Beiträge im
Internet.
Zusammenfassung.
Wollschäden vermeiden wir generell durch eine vernünftige Hygiene:
trocken, nicht zu warm, hell und in einem leicht saurem Milieu.
Neben Bakterien und Pilzbefall sind es vor allem die Fraßschädlinge,
die große Schäden verursachen. Die beiden wichtigsten sind
die Maden der Kleidermotten und die Larven der Wollkrautblütenkäfer.
Diese fressen Keratine. Erwachsene Tiere fressen gar nicht. Wir müssen
die Weibchen fernhalten, damit sie keine Eier legen, aus welchen die Maden
schlüpfen. Mit Pheromonfallen fangen wir die Mottenmännchen
bevor sie Weibchen finden. Unbefruchtete Weibchen legen keine Eier. Bei
den Käfern sind es ebenfalls die Larven, die fressen. Doch Pheromonfallen
helfen nicht da der Lebensraum der erwachsenen Tiere in der freien Natur
liegt.
Durch starke Duftstoffe verwirren wir die ankommenden Insekten, entweder
sie finden die Wolle nicht oder sie werden abgeschreckt. Alle aromatischen
Öle wirken so. Auch Mottenkugeln vertreiben durch Geruch.
Vorhandene Schädlinge bekämpfen wir physikalisch mit Hitze oder
Kälte. Chemisch mit Giften. Entweder (selektiv) mit Fraßgiften
oder mit Kontaktgiften.
Da die Eier sehr stabil sind, sollte die Temperatur immer über 100°C
oder unter -25°C geführt werden. Trockene Hitze ist wirksamer
als feuchte.
Fraßgifte wirken selektiv auf fressende oder saugende Insekten.
EULAN wird von der Fa. Bayer seid 1988 nicht mehr hergestellt. Nachfolgeprodukte
sind noch im Handel. Als Mottenschutzmittel sehr erfolgreich. Wegen der
sehr hohen chemischen Beständigkeit, sehr kritisch für die Umwelt.
Natürliche Alternative ist Neemöl, ein pflanzliches Konzentrat
welches (in Alkohol gelöst) auf Wollprodukte aufgesprüht wird.
Es wirkt mehrfach: Der Geruch verwirrt und schreckt ab, Bitterstoffe verhindern
Fraß (Repellentien) und die Wirkstoffe stören das Hormonsystem.
Die Maden oder Larven sterben ab ohne geschlechtsreif zu werden. Der Kreislauf
wird wirksam unterbrochen. Baut sich rückstandsfrei ab. Ungiftig
für nicht fressende Insekten.
Als Kontaktgifte kommen entweder das natürliche Pyrethrum oder die
synthetischen Pyrethroide zur Anwendung. Sie wirken auf das Nervensystem
und sind sehr wirksam. Leider für ALLE Insekten und vor allem für
Fische. Die Wirkstoffe werden in vielerlei Anwendungsformen angeboten.
Die häufigsten sind die sogenannten Mottenpapiere. Es sind die bei
weitem häufigsten, stark wirkenden Insektizide. Pyrethrum baut sich
in Sonnenlicht schnell ab. Pyrethroide etwas weniger schnell. Für
Säugetiere und Menschen nicht giftig.
Sie lösen bei Hautkontakt oder durch Einatmen
häufig Allergien aus. Vorsicht bei Asthma.
Abschließend verweise ich auf die sehr umfangreiche Literatur im
Internet. Einfach den gesuchten Begriff in eine Suchmaschine gegeben,
finden wir zu den einzelnen Stoffgruppen eine sehr große Zahl von
Einträgen. Ich möchte hier keine Auswahl treffen, da die Ansprüchen
sehr verschieden sein können.
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