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Ein Fragenkatalog zum Abschlussgespräch eines
Fortbildungslehrganges.
Vor einiger Zeit leitete ich einen Fortbildungslehrgang in einem sozialpsychiatrischen
und heilpädagogischen Verbund. Eine Gruppe von Ergotherapeutinnen
bereitete sich auf die Durchführung von therapeutischen Gruppenarbeiten
vor. Das gewählte Medium ist der handgwalkte Wollfilz.
Ich lege immer Wert darauf, dass sich die Ausbildung nicht ausschließlich
auf handwerklich/manuelle Vorgänge beschränkt, sondern dass
die wesentlichsten theoretischen Zusammenhänge auch verstanden werden.
Für das Abschlussgespräche hatte ich einige Fragen vorbereitet.
Mittlerweile bin ich zu der Ansicht gekommen, dass solche Fragen auch
auf ein allgemeines Interesse bei Filzshaffenden stoßen könnten.
Darum habe ich sie einfach in meine Webseite gestellt. Die Fragen ohne
Antworten erschienen Ende März. Jetzt war ich einige Wochen sehr
krank. Die Ergänzung der Fragen um die Antworten ist meine erste
Arbeit an der Webseite. Ich hoffe, Ihr könnt was damit anfangen!
Fragen zur Wolle.
Was ist Wolle? Woraus besteht sie? Welche biologische Funktion hat sie?
(Haararten!)
Wolle ist eine von verschiedenen Haararten. Ihre biologische Funktion
besteh im Wärme- und Wasserhaushalt von Säugetieren (Thermoregulation).
Sie besteht aus tierischem Eiweiß.
In welche Gruppe von textilen Fasern gehört Wolle? Pflanzliche,
tierische, mineralische, künstliche?
In die Gruppe der tierischen Textilfasern.
Woraus besteht Wolle? Aus Eiweißen(Aminosäuren), Zellulose
oder woraus sonst? Womit ist sie verwandt? Mit Baumwolle, Seide oder Leinen?
Wolle besteht aus vielerlei verschiedenen Aminosäuren. Sie
ist verwandt mit Seide.
Im Vergleich mit anderen textilen Fasern ist Wolle eher lang oder kurz?
Zum Beispiel zu Baumwolle? Oder zu Seide? Oder zu Leinen?
Im Verhältnis zu Baumwolle eher lang, zu Seide sehr kurz und
zu Leinen mittel bis kurz.
Womit würden Sie die Oberfläche von Wolle vergleichen, wenn
Sie dies jemanden erklären möchten?
Mit einem Fichtenzapfen. Wegen der Oberflächenschuppen.
Warum und wann spreizen sich die Epidermisschuppen der Oberfläche
vom Stamm ab?
Die Schuppen können sich nur an der Innenseite mit Wasser voll
saugen und verbiegen sich deshalb bei Kontakt mit Wasserdampf nach außen.
Wie verhält sich Wolle zu Wasser? Was heißt "hydrophob"
und was "hydrophil"? Wie wirken sich diese beiden Eigenschaften
aus? Denken Sie dabei an den Begriff "Oberflächenspannung".
Wolle weist Wasser ab. Sie ist hydrophob. Hydrophil wäre wasserfreundlich.
Gibt es Möglichkeiten diese Eigenschaften direkt zu beeinflussen?
Wenn ja, womit und wie?
Ja, mit Seifen oder Tensiden (waschaktive Substanzen). Dabei kehrt
sich die Oberflächenspannung um, das Verhältnis wird hydrophil.
Wie verhält sich Wolle im Kontakt mit Säuren? Wie bei Kontakt
mit Laugen? Wie bestimmen Sie, ob eine Flüssigkeit eine Säure
oder eine Lauge (Base) ist? (Ph-Wert).
Alle Eiweißstoffe sind empfindlich gegen Laugen aber ziemlich
tolerant bei verschiedenen Säuren. Das heißt Laugen greifen
Wolle an und fügen ihr nicht mehr zu reparierende Schäden zu.
Säuren lassen Wolle zwar quellen doch Essigsäure und Schwefelsäure
greifen die Wolle nicht an. Der Ph-Wert bestimmt ob eine Flüssigkeit
sauer oder basisch ist. Feststellen lässt sich dies mittels einem
Indikatorpapier.
Wenn Wolle mit viel Seife in Berührung kam, ist sie dann basisch
oder sauer?
Seifen sind grundsätzlich basisch. Sie sind eigentliche Salze
und immer Metallverbindungen. Hochinteressante Angelegenheit vor allem
im Zusammenhang mit Wolle oder anderen natürlichen Eiweißstoffen.
Wissen Sie bei welchem Ph-Wert Wolle sich am wohlsten fühlt (iso-elektrischer
Punkt, hier sind positive und negative Ionen im Gleichgewicht).
Der iso-elektrische Punkt liegt bei PH 4,9 also rund 5.
Was machen Sie, wenn Wolle intensiv mit Seife behandelt wurde um sie
wieder dem neutralen Punkt anzunähern (neutralisieren)?
Wir behandeln sie mit einer entsprechen eingestellten (Essig)Säure.
Jetzt noch eine schwierige Frage: beeinflusst der Ph-Wert einer Flüssigkeit,
mit der Wolle in Kontakt gerät, die hydrophoben oder hydrophilen
Eigenschaften? Oder anders gefragt: Nimmt Wolle saures Wasser leichter
an als basisches?
Der Ph-Wert hat keinen Einfluss auf die Kontakt-Fähigkeit zu
Wasser. Wolle reagiert auf saures oder basisches Wasser gleich. Die Umkehrung
der Hydrophobie zur Hydrophilie geschieht durch Seifenionen oder die entsprechenden
Ionen der Tenside.
Fragen zum Filz.
Was ist Filz? Wie entsteht Filz? Filzen nur Wollen oder auch andere Fasern?
Wenn ja, welche?(Bitte beachten Sie hier genau die Fragestellung!!)
Filz ist ein Verband von stark miteinander verwirrten Fasern. Sie
lassen sich nicht wieder auseinander ziehen. Er enthält kein Bindemittel.
Er kann sehr dicht oder lose sein. Er entsteht durch Verwirrung. Diese
kann entweder von außen durch Nadeln ausgelöst werden oder
durch Bewegung von Fasern, die über eine entsprechende Oberflächenstruktur
verfügen. Nur solche Fasern filzen (im Prinzip alle Haare, vornehmlich
jedoch Wollen). Andere filzen nicht, sondern können gefilzt werden.
Beschreiben Sie den Filzvorgang. Einmal als mechanisch ausgelösten,
materialunabhängigen Vorgang. Zum anderen als einen durch bestimmte
Materialeigenschaften ausgelösten selbständigen Vorgang.
Beim mechanischen Filzen werden die Fasern durch entsprechende Werkzeuge
bewegt. Beim Filzen durch Materialeigenschaften verschieben sich die Fasern
bei von außen einwirkende Bewegung immer nur in eine Richtung und
verwirren sich.
Benennen und beschreiben Sie das Werkzeug mit dem Filz auch aus Kunstfasern
oder pflanzlichen Fasern hergestellt werden kann. Welche Eigenschaften
müssen solche Fasern besitzen?
Das Werkzeug ist eine Nadel mit langer, dreikantiger Spitze. In
diese Kanten sind kleine, nach vorne geöffnete Kerben eingeschlagen.
Die mit diesen Nadeln zu filzenden Fasern müssen dünn und biegeweich
sein.
Die Festigkeit von Filz definiert sich über die Dichte. Das ist
die Materialmenge in Gramm je Kubikzentimeter (g/cm3). Was sagen Ihnen
folgende Angaben aus einem Filzkatalog:
Dichte = 0,22 oder 0,24 oder 0,38 oder 0,7?
Der Wert gibt die Dichte in g/cm3 an. 0,22oder 0,24 beschreibt einen
weichen Filz, 0,38 einen sehr festen Filz und 0,7 einen sehr harten, wie
Holz bearbeitbaren Filz.
Wird der Filz bei dicker Wolle fester oder eher weicher? WARUM??
Eher weicher oder besser loser weil die Fasern sich nicht so eng
aneinander schmiegen können. Es bleibt viel Luft dazwischen.
Beim Filzen verdichtet sich die Wolle. Folge: das Teil wird kleiner,
es schrumpft. Diesen Schrumpf benennen wir in Prozent (%). Der Schrumpf
gibt also an um wieviel Prozent ein Filzteil linear kleiner geworden ist.
Was heißt in diesem Fall linear? Um wieviel % verkleinert sich eine
Fläche bei einem linearen Schrumpf von 50%?
Linear heißt, dass der Filz in jeder Richtung um diesen Wert
kleiner wird. Bei 50% Schrumpf geht jedes Maß auf die Hälfte.
Eine Fläche schrumpft darum nicht auf die Hälfte sondern auf
ein Viertel oder 25%.
( ½ x ½ = ¼ )Der Flächenschrumpf beträgt
also 75%!!
Wenn ich ein Filzteil herstellen möchte, das in seiner Festigkeit
dem Schrumpf von 33% entspricht, muss ich die Wolle entsprechend größer
auslegen. Um wieviel Prozent in jeder Richtung?
Bei 33% schrumpft jedes Maß um ein Drittel. Das Teil ist also
zwei Drittel so groß wie vorher. Ein Drittel ist die Hälfte
von zwei Drittel. Also müssen wir die Fläche um 50% größer
legen um einen Schrumpf von 33% zu erreichen. Und zwar in Jeder Richtung!
Den Anteil um welchen ich ein Teil größer legen muss, kann
ich als Zuschlags-Faktor ein für allemal festlegen. Wie ermittle
ich diesen Faktor? (er ergibt sich aus einem Quotienten!)
Ich teile das Legemaß durch das fertige Maß.
Wie groß ist der Faktor bei einem Schrumpf von 50%?
Zwei!! Ich muss doppelt so groß legen um auf eine Verkleinerung
auf die Hälfte zu kommen.
Um die benötigte Wollmenge im voraus bestimmen zu können, muss
ich rechnen. Das kann auf zwei Wegen geschehen.
Entweder ich errechne das Volumen des fertigen Teils (Länge x Breite
x Dicke) in cm3 und nehme dieses mit der gewählten Dichte mal. Ein
Filzteil ist 80cm lang, 50cm breit und 30mm dick. Es soll eine Dichte
von 0,25g/cm3 bekommen. Wieviel Wolle benötige ich? (Achtung! Falle!)
Volumen = L x B x D = 80 x 50 x 3 (30mm = 3cm) = 12000cm3.
Gewicht = V x Dichte = 12000cm3 x 0,25g/cm3 =3000 g oder 3 kg
Oder ich berechne die Wollmenge über einen spezifischen Flächenwert.
Dieser ergibt sich aus Erfahrung und Tests. Er gilt immer nur bei einer
bestimmten Dichte. Bei einem dünnen Filz mit der Dichte 0,25g/cm3
beträgt er beispielsweise "3g/dm2" (Achtung! Wir rechnen
hier in "dm" um auf vernünftige Werte zu kommen.) Bei einem
Filz mittlerer Dichte beträgt er "8g/dm2" und bei einem
dickeren Filz "30g/dm2". Wieviel Wolle benötige ich jeweils
bei einer Filzfläche von 80cm x 50cm? (Achtung! Falle!)
Maß der Fläche F = 8 x 5 = 40dm2 Wir benötigen also:
bei 3g/dm2 40 x 3 = 120 g, bei 8g/dm2 = 40 x 8 = 320 g und bei 30g/dm2
= 40 x 30 = 1200 g Wolle
Noch ein paar rechnerische Spielereien, nur so zur Übung:
Gehen wir von den Ergebnis der oberen Rechnung und der jeweils angenommen
Dichte von 0,25g/cm3 aus, dann werden die unteren Flächen jeweils
so dick: Fläche = 40dm2 oder 4000cm2.
Bei 120g ergibt das eine Dicke von 120 : 4000 : 0,25 = 0,12cm oder 1,2mm
Bei 320g ergibt sich eine Dicke von 320 : 4000 : 0,25 = 0,32cm oder 3,2mm
Bei 1200g ergibt sich eine Dicke von 1200 : 4000 : 0,25 = 1,2cm oder 12mm
Für die obere Rechnung (Ergebnis 3kg) ergibt sich dann eine spezifische
Menge von 75g/dm2
Für wirklich dicke Filze benötigen wir also eine ganze Menge
Wolle. Und dabei ist eine Dichte von 0,25g/cm3 noch nichts besonderes!
Hohlteile stelle ich üblicherweise unter Verwendung einer flächigen
Schablone her. Welche Bedingungen muss so eine Schablone vom Material
her erfüllen? (mind. 2, besser 3, welche?)
1. Faserdichte, 2. biegeweich und 3. wenn die Form es zulässt
so dick, dass wir sie von außen fühlen können.
Eine flächig Schablone erfüllt immer zwei Aufgaben. Welche?
Sie bestimmt 1. die Form und 2. die Größe des Teils.
Eine solche Schablone stellt das fertige Teil immer im flach gedrückten
Zustand dar. Sie wird rundum mit Wolle belegt. Was folgt daraus? Was dürfen
wir bei der Festlegung der Schablonenmaße nie vergessen?
Wir müssen immer vom flach gedrückten Teil ausgehen und
dieses Maß halbieren. Dabei dürfen wir den vorgesehenen Zuschlag
nicht vergessen. Also immer Umfang geteilt durch zwei mal Faktor.
Wir möchten ein Rohr aus sehr festem, harten Filz herstellen. Es
soll fertig ein Innenmaß von 10cm haben und genau 1 m lang sein.
Wandstärke und Dichte ergeben sich aus einer spezifischen Menge von
40g/dm2. Wir messen sie später nach. Wir rechnen mit einem Schrumpf
von 60% (Faktor??). Wie groß muss die Schablone sein (Länge
und Breite. Breite aufrunden auf ein rundes Maß). Wieviel Wolle
benötigen wir? (Aufrunden)
Das Innenmaß von 10cm ergibt einen Umfang von 31,4cm (d x
3,14). Die Hälfte davon ist ca. 16cm
Ein Schrumpf von 60% ergibt einen Faktor 2,5 (100 - 60 = 40, 100 : 40
= 2,5)
Damit wird die Schablone 16 x 2,5 = 40cm breit und 100 x 2,5 = 2,50m lang.
Unglaublich! Aber ein Faktor von 2,5 oder ein Schrumpf von 60% sind auch
nur maschinell möglich.
Wollmenge: Oberfläche x spez. Wert = 3,14dm x 10dm x 40g/dm2 = 1256g
(1,26kg)
Stellen wir Filzschnüre aus Strangwolle her, die wir einfach vom
Strang nehmen und rollen, so eignen sich diese nicht gut als Vorfilze
zum Einlegen in Flächen. Warum? Wie können wir Abhilfe schaffen?
Im Strang liegen aller Fasern sehr parallel ausgerichtet. Sie verlassen
ungern diesen Verband. Darum verbinden sich solche Schnüre oft nicht
mit dem Untergrund. Dazu kommt, dass sie stark in ihrer Längsrichtung
schrumpfen und dabei Zickzack-Linien bilden.
Abhilfe: wir bilden die Schnüre aus diagonal gelegten Flächen.
Wie gehe ich vor wenn ich beispielsweise einen Figurendraht oder eine
andere Seele in eine Filzschnur einbringen möchte? (Beispiel biegbare
Schlange)
Wir bilden eine Fläche aus zwei diagonal gelegten Lagen und
wickeln den Gegenstand darin ein.
Was sind Vorfilze? Wie stellen wir sie her? Wozu verwenden wir sie?
Vorfilze sind ganz schwach angefilzte Flächen (max. 8 - 10%).
Wir benutzen sie zum Gestalten von Oberflächen indem wir Muster daraus
schneiden und diese einfilzen.
Warum wird ein Ring beim seitlichen Einrollen auch im Durchmesser kleiner,
eine Schnur bei gleicher Arbeitsweise aber nicht kürzer? Was müssen
wir tun um sie ebenfalls zu schrumpfen? ZWEI Verfahren!!
Bei Ringen wird die jeweilige Innenseite gestaucht und die Außenseite
gestreckt. Es kommt eine Längsverdichtung zustande. Bei einer Schur
wird nur seitlich zusammen gerollt. Abhilfe: entweder knüdeln oder
beim Querrollen einen starken Bogen bilden.
Um eine Filzoberfläche zu gestalten lege ich farbige Wolle ein oder??
Welche andere Methode kann ich verwenden um sie zu gestalten? Wie gehe
ich dabei vor?
Beim Einlegen farbiger Wolle muss ich dies zu Beginn des Anfilzens
machen. Mit Vorfilzen gestalte ich das Teil etwas später wenn der
Filz sich schon gebildet aber noch nicht verfestigt hat. Ich schneide
Muster aus Vorfilzen aus und hefte sie mit der Filznadeln fest an die
vorgesehene Stelle bevor ich endgültig walke und den Filz verdichte.
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