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Erste
Erfahrungen mit Synthappret BAP 01.
Zuvor.
Während der 12. deutschsprachigen
Filzbegegnung in Arendsee begegnete mir zum ersten mal eine Flüssigkeit,
die folgendermaßen eingesetzt und verwendet wurde:
Auf einem Stück dünnes Wollgewebe wurde mit einem Pinsel die
Flüssigkeit in Form von Ornamenten aufgepinselt. An der Wand hing
ein ähnliches Stück, welches insgesamt stark gekräuselt
und offensichtlich eingelaufen war aber über die Fläche verteilt
ornamentale Bereiche aufwies, die sichtbar nicht mit eingelaufen waren.
Es war ein interessanter Effekt entstanden.
Eine Rückfrage ergab, dass die aufgepinselte Flüssigkeit den
Wollstoff an den entsprechenden Stellen filzfrei ausgerüstet hatte.
Die Flüssigkeit musste trocknen und thermisch (mit einem Bügeleisen)
fixiert werden. Danach wurde der Stoff in einer Waschmaschine gefilzt.
Nähere Angaben was das für ein Mittel sei und welche Eigenschaften
zu dem angesprochenen Effekt führen, konnte niemand machen. Ein Erfahrungsbericht
wies darauf hin, dass die Flüssigkeit wirklich gut und langsam trocknen
muss. Wahrscheinlich läuft dabei ein gewisser chemischer Prozess
ab.
Der Erwerb
Im Katalog der Firma Filzrausch wird ein Mittel angeboten, dass genau
diese Effekte auslösen soll. Es heißt Synthappret BAP 01. Dazu
wird ein Verdickungsmittel angeboten. Außerdem wird ein feines Wollgewebe
(Mousseline) zum Verkauf angeboten, welches sich für die oben geschilderte
Verwendung eignen soll.
Ich bestellte ein wenig von allem. Die beiliegenden Beschreibungen geben
an , dass der Stoff vor der Bearbeitung gewaschen werden sollte. Außerdem
gibt es eine Rezeptur für die Flüssigkeit. Wie verdünnen,
wie verdicken, wie auftragen.
Theoretische Zusammenhänge.
Da weitere Angaben zu dem Mittel nicht vorlagen, wurde ich neugierig und
recherchierte im Internet und der einschlägigen Literatur. An verschiedenen
Stellen wurde ich fündig.
Seit langen bemüht sich die wollverarbeitende Industrie Wollfasern
möglichst filzfrei auszurüsten. Es gilt dabei, den unterschiedlichen
Reibwert(DFE) der Faseroberflächen von und zur Haarwurzel soweit
zu verringern, dass sich die Fasern auch im gequollenen Zustand in einem
engen Verband nicht unumkehrbar verschieben. Da dieser Effekt auf dem
Abspreizen den Epidermisschuppen bei Wasseraufnahme entsteht, gilt es,
entweder die Schuppen so zu präparieren, dass die Schuppenkante entfernt
werden oder, dass sie sich nicht mehr vom Faserstamm abspreizen können.
Für beides gibt es Verfahren. Häufig werden sie kombiniert.
Bei den sogenannten additiven (hinzufügenden) Verfahren werden die
Fasern mit einer sehr dünnen Schicht Kunstharz überzogen. Es
wurden verschiedene Harze (vor allem Polyester) und Verfahren entwickelt.
Eins davon ist Synthappret BAP.
"Synthappret" steht für synthetische Appretur.
Das Kürzel BAP steht für Bisulfit-Addukt eines
Polyisocyanitpolyurethans. Es ist also kein Polyester sondern ein
speziell aufbereitetes Polyurethan.
Es ist unverdünnt sauer (Ph 3-4) und stark hydrophil (wasserfreundlich).
Da auch Wolle im Naturzustand sauer ist (Ph 4,9), entsteht kein gutes
Spannungsverhältnis zwischen der Wolle und dem Kunstharz. Darum wird
dem Synthappret Natriumbicarbonat (Natron) zugesetzt, es wird basisch
(Ph 8-9).
Wegen seiner hydrophilen Eigenschaft verteilt es sich willig und gleichmäßig
auf den Faseroberflächen. Es bindet sich chemisch mit dem Ceratin
der Schuppen. Das erfordert eine lange Trocknungszeit (in der Literatur
ist von bis zu 5 Tagen die Rede). Das Harz umschließt nicht nur
die Oberflächen sondern verklebt auch nebeneinander liegende Fasern
miteinander. Dies verstärkt den Filzfrei-Effekt (beispielsweise in
einem Garn). Nach der Verwendung von Synthappret BAP bleibt der Filz oder
der Stoff hydrophil, Wasser perlt nicht mehr ab sondern benetzt die Oberflächen
der Fasern gleichmäßig. Der Stoff saugt, statt Wasser abzuweisen.
Das gilt auch für behandelten Filz. Andererseits verliert die Wolle
einen Teil ihrer Hygroskopie, die Faser selbst absorbiert weniger spontan
Wasserdampf. Diese beiden Eigenschaften führen zu einer langen Trocknungszeit
behandelter Teile.
Nach dem Trocknen muss das Harz thermisch fixiert werden. Entweder durch
Bügeln oder in einer Wärmekammer (Heißluftherd).
Die Oberflächen der Fasern und der gesamten Textilteile verlieren
das für Wolle typische, wasserabweisende Verhalten. Sie werden hydrophil.
Wasser wird nicht abgewiesen sondern verteilt sich benetzend auf der Oberfläche.
Außerdem wird es nicht mehr von der Wolle absorbiert (aufgenommen
und labil chemisch gebunden).
Das Verdickungsmittel wirkt sich auf die Vorgänge nicht aus. Es dient
nur zur leichteren Handhabung beim Auftragen auf bestimmte Flächenbereiche.
Es muss jedoch sorgfältig ausgewaschen werden. Das passiert meist
automatisch beim anschließenden Filzen. Bei dunklen Farben können
allerdings helle Flecken zurück bleiben.
Eigene Versuche und Tests.
Neben den in der beiliegenden Gebrauchsanleitung beschriebenen Methode
der ausgesparten filzfreien Flächen in Wollgeweben interessierten
mich weitere Einsatzmöglichkeiten für die Herstellung und vor
allem Gestaltung von Wollfilz
.
Gestaltung eines Wollgewebes nach Anleitung.
Die Anleitung sieht folgende Rezeptur vor:
Grundrezept des Verdickungsmittels: 100ml kaltes, sauberes Wasser, 3 Gramm
Verdickungsmittel (3%), gut verrühren und mindestens 5 Minuten quellen
lassen (besser länger).
Wichtiger Hinweis zum Wasser: Bei reinem Leitungswasser (zumindest hier
in Düsseldorf) quillt das Mittel kaum, es wurde gerade mal etwas
sämig, setzte sich aber schnell ab. Daraufhin nahm ich (wie auch
in der Anleitung empfohlen) destilliertes Wasser (als Batteriewasser an
jeder Tankstelle). Damit entsteht bei der angegebenen Menge (3%) eine
ziemlich zähflüssige Masse. Bei 4% wird sie etwas breiiger,
bei 5% schon etwas dick.
Grundrezept Appretur: 200ml reines, kaltes Wasser, 20ml Synthappret BAP
(10%) und 5 Gramm Natriumbikarbonat (Küchennatron) (2,5%).
Beides vor der Anwendung gut
mischen. Keine zusätzliche Wartezeit.
Verdünnung der Appretur in der fertigen Mischung letztlich: 300 :
20 (6,7%), des Verdickungsmittels: 300 : 3 (1%)
Achtung! Beim Ausgießen
des reinen (unverdünnten) Synthapprets entstehen gefährliche!!
Dämpfe und unangenehme Gerüche.
Nicht mit der Haut berühren (Dichte Handschuhe tragen)!
Dämpfe nicht einatmen! Arbeitsraum gut belüften!
Bei größeren Mengen während des Gießens eventuell
Atemmaske tragen oder ein dichtes Tuch vor Nase und Mund halten.
Wollgewebe waschen (je nach
Waschmittel mit Essigwasser nachspülen, danach nur entwässern
(nicht noch mal mit reinem Wasser nachspülen) und trocknen.
Das mit dem Verdickungsmittel aufbereitete und verdünnte Synthappret
mit einem Pinsel oder einer Schwammrolle in der gewünschten Ornamentik
auftragen. Gut und lange trocknen lassen. Durch Bügeln oder in einer
Heißluftkammer (Heißluftherd 150°C, 5 Minuten) thermisch
fixieren. Danach filzen.
Nach diesem Rezept habe ich
kleine Teile des Gewebes behandelt. Gefilzt habe ich mit Olivenseife,
zunächst mit den Händen, später in einem Wäschetrockner
(Kaltluft, ca. 20 Minuten). Der erwartete Effekt trat ein. Nach dem Filzen,
vor dem endgültigen Trocknen, habe ich das Teil noch einmal mit warmem
Essig-Wasser vorsichtig ausgewaschen. Reste des Verdickungsmittels waschen
sich meistens schon beim Filzen aus. Ob man das fertige Teil abschließend
bügelt kommt auf den gewünschten Effekt an.
Hinweise zur praktischen Handhabung: Das vorbereitete Verdickungsmittel
lässt sich unter Luftabschluss (Glas mit Schraubdeckel) getrennt
von der Appretur gut vorbereiten und aufbewahren. Da es mit der Appretur
wieder verdünnt wird kann man es durchaus etwas dicker anrühren.
Man nimmt dann gerade soviel, wie man in der fertigen Masse haben möchte.
Die Ornamente sollten nicht zu großflächig gewählt
werden. Weil dort die Wolle nicht schrumpft, beulen diese Stellen stark
aus.
Weil das Synthappret von der Wolle gut angenommen wird, verläuft
es sich rund um die aufgetragenen Stellen. Das Gewebe saugt das Mittel
weg. Die behandelten Bereiche werden größer als vorgesehen.
Das sollte man beim Auftragen wissen und beachten. Das Verdickungsmittel
vermindert diesen Effekt. Je dicker desto weniger verläuft es.
Verschiedene Versuche mit Wollfilzflächen.
Um die Versuche miteinander vergleichen zu können, habe ich erst
einmal einen dünnen weichen Flächenfilz (Schrumpf etwa 8%) aus
weißer, sehr feiner Merinostrangwolle hergestellt. Nach dem Walken
mit Essig leicht sauer eingestellt (Ph 3-4), danach gut geschleudert nicht
getrocknet sondern gleich weitergearbeitet.
Wollmenge: 3,75g/dm2 , Dichte: 0,18 g/cm3
Von diesem habe ich mehrere
Teile abgeschnitten und behandelt. Bei den folgenden Versuchen habe ich
auf eine Verdickung verzichtet, sondern nur mit mehr oder weniger verdünntem
Synthappret BAP gearbeitet. Verdünnt habe ich mit kaltem Leitungswasser.
Natron immer im Verhältnis: 1 : 40 (2,5%). Ph-Wert bei allen Verdünnungen
etwa 8 - 9
Test 1: Filzfläche
10cm x 20cm, Verdünnung 1 :10 (1 Teil Synthappret auf 10 Teile Wasser)
Auftragen oder besser Einmassieren des Mittels mit einer Schwammrolle
(Lackierrolle, ganz feiner Schaumgummi) auf die Hälfte der Fläche
(10 x 10)
Trockenzeit 1 Tag, danach mit Bügeleisen (höchste Stufe, Backpapier
als Zwischenlage) fixiert.
Danach von Hand gefilzt mit Olivenseife. Schrumpf des unbehandelten Bereichs
etwa 50%.
Der behandelte Bereich ist nicht geschrumpft.
Der behandelte Bereich ist sehr steif und elastisch. Lässt sich kaum
knittern und falten. Springt in seine glatte Form zurück. Aufgespritztes
Wasser verteilt sich sofort und nässt den Filz. Gleichzeitig auf
den unbehandelten Bereich aufgespritztes Wasser perlt. Während dort
nach etwa 1 Stunde der Filz sich vollkommen trocken anfühlt, bleibt
er im behandelten Bereich noch lange feucht.
Test 2: Gleiche Filzfläche und gleiche Konzentration, ebenfalls
mit Bügeleisen fixiert. Sauer gefilzt mit Essigreiniger. Alle Ergebnisse
wie beim alkalischen Filzen mit Seife.
Test 3: Gleiche Filzfläche, gleiche Konzentration, jetzt im
Heißluftherd fixiert (150°C etwa 5 - 6 Minuten, vorsichtshalber
im Bratschlauch). Alkalisch gefilzt. Alle Ergebnisse wie beim Bügeln,
jedoch unruhige Fläche, die sich nicht glättet. Die Dicke ist
nach dem Fixieren gleich wie beim Bügeln. Der Druck des Bügeleisens
scheint die Fläche nicht zusätzlich zusammen zu kleben.
Erfahrung mit Bratschlauch: Um eventuell entstehende Dämpfe des Synthappret
nicht im Herd zu haben, wurde der Bratschlauch dicht verschlossen. Darum
konnte der Wasserdampf nicht entweichen. Der Schlauch blähte stark,
riss aber nicht. Nach dem Öffnen war das Filzteil sehr feucht und
musste nachtrocknen. Interessanterweise vor allem im behandelten Bereich.
Im unbehandelten Bereich wurde der Dampf offensichtlich von der Wolle
absorbiert. Im behandelten Bereich nicht.
Test 4: Alle Bedingungen wie Test 1. Nicht nachträglich gefilzt.
Oberfläche nach dem Bügeln mit sehr harter Bürste gekämmt
(Pillingtest). Im behandelten Bereich keine Auflösung oder Ablösung
der Fasern. Sie sind fest in der Struktur verklebt.
Test 5: Gleiche Filzfläche. Die Hälfte (10 x 10) mit
einer Verdünnung 1 : 30 behandelt. Nach dem vollständigen Trocknen
gebügelt und mit Olivenseife nachgewalkt. Dann sauer neutralisiert
und trockengebügelt. Schrumpf der unbehandelten Fläche etwa
50%. Behandelte Fläche nicht geschrumpft. Griff wesentlich weicher
als bei geringerer Verdünnung. Wasser wird aufgenommen, perlt also
nicht ab.
Test 6: Gleiche Bedingungen wie Test 5. Verdünnung jetzt 1
: 60.
Die behandelte Fläche ist beim nachträglichen filzen leicht
geschrumpft. Unbehandelte Fläche in diesem Fall etwa 30%, die behandelte
etwa 5-10%. Griff recht angenehm. Wasser wird zunächst abgewiesen
(perlt) aber nach kurzer Zeit aufgenommen. Alle Effekte noch vorhanden
aber stark abgeschwächt.
Test 7: Eine geringe Menge Merino-Wollfasern (sehr fein) vom Strang
mit Synthappret BAP, Verdünnung 1 :10, angefeuchtet. Nach dem Trocken
und Fixieren im Bratschlauch waren die Fasern stark miteinander verklebt.
Ich habe sie immer wieder über ein handgetriebenes Kardierrad gekämmt
bis sie sich einigermaßen voneinander lösten. Ein Filztest
mit einer Filzkugel (zum Vergleich wurde die gleiche Menge unbehandelte
Wolle gleicher Qualität gefilzt) zeigte, dass die Fasern nicht mehr
filzen können. Was zu erwarten war.
Test 8: Einen zusätzlichen
dickeren Flächenfilz hergestellt. Sehr feine australische Merinowolle
vom Strang. Gelegte Größe 60 x 60cm, Wollmenge 220 Gramm in
zwei Farben, als Verbund, nicht gemischt.
Gefilzt mit Olivenseife auf 50 x 50cm (17% Schrumpf), mit Essig neutralisiert
und entwässert (Wäscheschleuder).
Danach Synthappret Verdünnung 1 :30 mit einer Schwammrolle auf einer
Teilfläche (offenes Quadrat (25 x 25 außen/12 x 12 innen) einmassiert
(von beiden Seiten her).
Drei Tage getrocknet. Auch dabei folgendes beobachtet: Während sich
die unbehandelten Flächen nach einem Tag trocken anfühlten,
blieben die behandelten Flächen bis zum dritten Tag feucht. Getrocknet
in einem normal warmen Wohnraum.
Danach mit einem heißen Bügeleisen von beiden Seiten her stark
erhitzt. Nach dem Abkühlen mit Olivenseife weitergewalkt auf ein
Endmaß von 38 x 38cm (37% Gesamt-Schrumpf) und einer durchschnittlichen
Dicke von etwa 7mm. (Dichte: 0,22 g/cm3)
Da die behandelte Fläche rundum und auch in der Mitte von unbehandeltem
Filz umgeben war, sie aber nicht weiterfilzte, bildeten sich starke Falten
und kleine Beulen. Drum herum filzte die Wolle intensiv und zog die Gesamtfläche
auf das genannte Maß zusammen. Es entstand eine interessante optischen
Struktur.
Schon bei Auswaschen trat der erwartete Effekt zutage: Die behandelte
Fläche saugte Wasser geradezu an, während drum herum das Wasser
abgewiesen wurde. Das hat sich nach dem endgültigen Trocknen noch
verstärkt.
Diesen Flächenfilz benutze ich zur Zeit überall als Sitzunterlage
um die unterschiedliche Pillingneigung zu erfahren. Nach einem Tag sind
schon deutliche Unterschiede zu erkennen. Während die unbehandelten
Flächen immer gleichmäßiger aber auch etwas haariger werden,
manifestieren sich die Beulen und Falten in den behandelten Bereichen.
Deren Oberfläche bleibt dicht geschlossen.
Zusammenfassung.
Synthappret BAP wurde von der Fa. Bayer für die industrielle Anwendung
zur Filzfrei-Ausrüstung von Wolle oder Wolltextilien entwickelt.
Es ist ein speziell weiterentwickeltes Polyurethan. Es ist sehr sauer
und hydrophil. Es überzieht die Wollfasern mit einer feinen Schicht
Kunstharz und verhindert so das Abspreizen der Epidermisschuppen. Gleichzeitig
macht es die Wolle hydrophil und grenzt die hygroskopischen stark Eigenschaften
ein. Das heißt, die Wollfasern, -garne oder -textilien verlieren
ihr wasserabweisendes Verhalten und nehmen nur sehr geringe Mengen Wasser
auf. Je nach Schichtdicke der Appretur werden behandelte Textilien etwas
steif im Griff, jedoch auch abriebfest und elastisch. Die Pillingneigung
nimmt stark ab.
Im Bereich der handwerklichen
Filzmacherei ergeben sich folgende Testergebnisse:
Die Behandlungen von Teilflächen eines feinen Wollgewebes mit anschließendem
thermischen fixieren und walken führen zu unterschiedlich schrumpfenden
Bereichen in der Fläche. Die Effekte sind rein optischer Natur. Ein
Nutzen für den Gebrauchswert ergibt sich nicht.
Auch fertige Filzteile lassen
sich damit behandeln. Der Filzvorgang wird gestoppt. Weiche Filzteile
können somit vor einer weiteren Schrumpfung bewahrt werden. Sie werden
formstabil und verlieren zum größten Teil die Neigung zum Pilling
(Knötchenbildung unter Rei-bung). Allerdings versteifen die Teile
und verlieren einen Teil ihrer wolltypischen Eigenschaften. Bei der Behandlung
von Filzteilen empfiehlt sich eine Verdünnung von 1 : 30 bis max.
1 : 50.
Synthappret BAP eignet sich
nicht als Versteifungsmittel im herkömmlichen Sinne, zum Beispiel
für Hüte. Diese verlieren ihre wasserabweisenden Eigenschaften
ganz entschieden. Allerdings bleiben sie formstabil, auch unter höheren
Temperaturen und bei Dampf.
Die Erfahrungen in diesen
wenigen Tests zeigen, dass filzfrei ausgerüstete Wolle einen großen
Teil ihrer wolltypischen Eigenschaften verliert. Sie filzt und pillt zwar
nicht mehr, weist aber kein Wasser mehr ab und nimmt vor allem keines
mehr auf. Eine Absorption von Körperschweiß wird demnach stark
eingeschränkt. Dies gilt nicht nur bei Filz, sondern bei allen so
ausgerüsteten Wolltextilien. Das wasserabweisende Verhalten lässt
sich durch entsprechende Imprägnierungen (z.B. Silikon) wieder erreichen,
doch damit wird die eigentliche Wollfaser zusätzlich mit einem fremdem
Stoff umhüllt.
Persönliches Fazit:
Synthappret BAP ist zwar ein interessantes zusätzliches Gestaltungsmittel,
doch da es die natürlichen Wolleigenschaften negativ beeinflusst,
werde ich es für die Gestaltung von Wollfilz nicht weiter einsetzen.
Bruno Bujack
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