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Der Handwerker und Techniker
Man kann sich dem handgewalkten Filz auf vielen verschiedenen Wegen nähern
und sich auf vielerlei Weisen damit auseinander setzen.
Durch einen handwerklich geprägten Beruf und einer grundsätzlich
naturwissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung ergab sich bei mir der
für mich typische, eigene Weg: Neben das "kreative Tun"
stelle ich die Suche nach den handwerklich/technischen Grundlagen sowie
die physikalischen und chemischen Zusammenhänge.
Filz einfach herzustellen und sich an dem entstandenen zu erfreuen genügte
mir bald nicht mehr. Ich suchte immer wieder neue Wege um die jeweils
passende und effektivste Arbeitsmethode zu finden. Das ging zwar nicht
immer gut, manches erwies sich als falsch, aber insgesamt wurde ich immer
sicherer.
Leider gibt es für den handgewalkten Filz, der zwar auf uralte, textile
Herstellungsverfahren zurückgreift, keinerlei allgemeingültige
Vorgaben. Zumindest nicht in unserem Kulturraum. So, wie wir den Filz
seit etwa Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts herstellen, beziehen
wir uns auf traditionelle Techniken und Arbeitsweisen der west- und zentralasiatischen
Nomadenvölker. Kaum bis nie auf traditionelle Verfahren aus Westeuropa.
So entwickelten sich hier bei uns sehr unterschiedliche Verfahren und
Arbeitsweisen, die sich oft ergänzen, manchmal widersprechen und
ziemlich selten au sgetauscht
werden.
Allmählich ändert sich dies. Und ich möchte bei diesem
Prozess meinen Beitrag leisten.
Handwerk heißt für mich: nachvollziehbare, ausgereifte Arbeitsweisen
entwickeln, austauschen und weitergeben. Dies sowohl im rein praktischen
Bereich als auch im Wissen um die Hintergründe. Jedes Handwerk hat
seine Fachkunde und erst recht das Fachrechnen. Wieso sollte das bei der
Filzmacherei nicht gelten.
Als Techniker möchte ich keine Maschinen erfinden, sondern Arbeitstechniken
optimieren. Vielleicht auch Werkzeuge entwickeln.
Und genau um solche Fragen rankte sich in den letzten gut zwanzig Jahren
meine Beschäftigung mit Filz beim praktischen Arbeiten.
Das Bild zeigt mich zusammen mit Vidák István, dem ich
sehr viel verdanke.Er zeigte mir immer wieder, wie man bei aller Technik
und Wissenschaft,
den Blick auf die traditionellen Techniken nicht verlieren sollte.
Der Austausch mit anderen (sich meist auch auf der Suche befindenden)
FilzmacherInnen, ist überhaupt meine wertvollste Hilfe.
Hier sehen wir István mit Nagy Mari, seiner Frau, einer wirklich
begnadeten Filzkünstlerin.
Ganz am Anfang steht bei mir die Frage: Was ist Filz? Und die Antwort
darauf zu finden ist gar nicht leicht. Es gibt verschiedene Definitionen,
doch keine befriedigte mich wirklich. Meine Antwort, die sich aus langen
Überlegungen, Recherchen und logischen Schlussfolgerungen ergibt
lautet:
Filz ist ein bindemittelfreier, nicht wieder auflösbarer
Verband mehr oder weniger dicht, dreidimensional miteinander verwirrter
ungerichteter Einzelfasern.
Filzen ist damit der Vorgang der dreidimesionalen Verwirrung
ungerichteter Einzelfasern zu einem bindemittelfreien, nicht wieder auflösbaren,
dreidimesionalen Verband.
Da steckt eigentlich alles drin. Und genau darüber
kann man Bücher schreiben!

Typische weitere Fragen: Wie lege ich aus Strangwolle die optimale Fläche?
Besser wenige dicke Lagen oder doch besser ganz viele dünne? Und
vor allem WARUM? Wie vermeide ich unsaubere Ränder? Wie erreiche
ich an Hohlteilen saubere Übergänge, die man bei dem fertigen
Teil gar nicht mehr findet? Welche Walkmethoden führen bei welchem
Teil am sichersten zum Ziel? Gibt es Arbeitstechniken die vor allem körperliche
Kräfte schonen? Wenn ja, welche und vor allem WARUM?
Und dann die Schablonen, die reinste Geometrie (oder auch nicht, der
Versuch, das Ausprobieren führt oft genau so schnell weiter!!)
Und immer wieder: welche Wolle verwende ich für welchen Zweck? Diese
Aufzählung könnte noch viele Seiten lang werden....
es gibt noch viel zu tun....
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