|
|
online-Version
des Vortrags:
Das MAKE-UP Referat zur 10. deutschsprachigen Filzbegegnung 2005
in Burg auf Fehmarn .
Autor und Copyright: Bruno Bujack.
Das richtige veredelt, das falsche verdirbt.
Wie kann die Wirkung eines Filzteils nachträglich verändern?
Verschiedene Methoden.
Das Schneiden. a) mit einer Schere b) mit einem Messer, c) mit einer
Säge, d) mit einem Bohrer oder Fräser.
Das Bearbeiten mit einer Nadel. a) die Nähnadel, b) die Filznadel.
Das Glätten. a) mit dem Walkholz, b) dem Walkbrett, c) Rollhölzern
und d) dem Bügeleisen.
Das Dekadieren oder Einbügeln von Falten
Das Kämmen oder Bürsten, a) mit weichen Bürsten, b) mittelharten
oder sehr harten Bürsten (Metallbürsten)
Die Kombination von Bürsten und Bügeln.
Das Rasieren.
Das Schleifen.
Das Steifen
Das Färben.
Das Bemalen Textilfarben, Acrylfarben
Vorbemerkungen
Ein Sprichwort oder eine Redensart sagt: "der erste Eindruck entscheidet".
Und das ist wirklich wahr. Auch die moderne Psychologie bestätigt
dies. Man streitet höchstens darüber ob die ersten 7 Sekunden
oder die ersten 20 Sekunden oder..... entscheidend sind.
Und es ist ja auch einleuchtend. Entwicklungsgeschichtlich war es lebensentscheidend
innerhalb von kürzester Zeit entscheiden zu können: "Freund"
oder "Feind".
Für die meisten Tierarten ist dies immer noch so. Dabei ist es nicht
immer das Aussehen, oft auch der Geruch oder das Geräusch. Augenwesen,
wie wir reagieren in allererster Linie auf das Aussehen.
Heute mag das uns nicht mehr wichtig erscheinen, doch wir tragen das Erbe
und beurteilen oft erst einmal das Äußere. Und dies erfolgt
nach klaren Regeln. Ohne jede zusätzliche Kommunikation erkennen
wir ob jemand sich freut, ob er uns freundlich gesinnt ist, ob er traurig
ist, ob er schlechte Laune hat, ob er uns feindlich oder abweisend begegnet.
Übertragen wir dies doch einmal auf ein Beispiel:
Der weiße Filzkopf sagt uns gar nichts. Wir erkennen gerade mal,
dass er einen menschlichen Kopf imitiert.
Ein wenig "make-up", ein wenig Farbe, einigen Linien im Gesicht,
die Form und Stellung der Augen, das Haarkleid, die Mundwinkel....schon
ordnen wir diese Kunstfigur ein. Sie ist uns eher unsympathisch. Beschatten
wir die Augen mit einem breiten Hut, verstärkt sich der unangenehme
Eindruck.
Verändern wir das "make-up", lassen wir den Mund lachen,
öffnen wir die Augen, lassen sie strahlen, schon wird der Kopf zum
sympathischen Clown. Ein lustiges Haarkleid, eine rote Nase, ein unförmiger
riesiger roter Hut und "der Clown" bringt uns trotz seiner Melancholie
zum Lachen oder Schmunzeln.
Ich wählte als Beispiel einen Filzkopf, schließlich ist dies
ja "unser Medium" mit dem wir uns hier beschäftigen wollen.
Die Frage ist, wie kann ich ein Filzteil nach der Herstellung verändern,
verschönern, dem Zweck anpassen.
Es gibt da eine ganze Reihe von Methoden und Arbeitsweisen, die sich natürlich
auch kombiniert anwenden lassen.
Dennoch gliedere ich zunächst etwas.
Verschiedene Methoden:
Das Schneiden. Das fertig gewalkte Filzteil hat noch nicht seine
endgültige Form. Es besteht beispielsweise aus einem einfachen Filzlappen,
mehr oder weniger viereckig, unsaubere Kanten und irgendeine Größe.
Oder es ist eine unförmige, farblose Wurst. Oder auch eine einfache
Kugel, die wir jedoch in einer bestimmten Weise verwenden möchten.
Warum schneiden wir es nicht einfach zurecht.
a) Schneiden mit einer Schere. Die einfachste und häufigste
Art der Veränderung ist das Zurechtschneiden mit einer Schere. Aus
einer irgendwie geformten Fläche lassen sich alle möglichen
Formen und Muster ausschneiden. Oft verwenden wir das Teil dann so wie
es wurde. Oder wir benutzen es um ein anderes Teil damit zu schmücken
oder zu ergänzen. Meistens schneiden wir mit einer Schere. Bei einer
Schere schneiden zwei Klingen gegeneinander, wir sind unabhä ngig
von einer Unterlage. Die obere Klinge trifft auf eine ebenfalls scharfe
Gegenklinge. Der Filz wird von oben und unten geschnitten. Das ergibt
immer den saubersten Schnitt. Filz sauber zu schneiden ist jedoch nicht
ganz einfach. Wolle besteht (vor allem an seiner Oberfläche) aus
einem sehr stabilen Material dem Keratin oder Horn. Auch wenn die Faser
sehr dünn ist, bleibt das Material hart. Wir vergleichen es mit den
Nägeln an unseren Händen und Füßen, die unseren Schneidwerkzeugen
ja oft ganz schön zu schaffen machen können. Wolle besteht aus
dem gleichen Material. Die beste Schere ist für diese Arbeit gerade
gut.
Da wir beim Thema Scheren sind, hier ein wichtiger Hinweis: Sie sollten
möglichst geschmiedet (nicht ausgestanzt) und in der Basis, also
in der Nähe des Gelenks, sehr stabil sein. Sie dürfen sich an
den Spitzen nicht auseinander drücken lassen oder sich beim Schneiden
von einander entfernen. Sie müssen sehr scharf sein - auch oder gerade
vorne - und - VOR ALLEM - scharfbleiben. Das schaffen auf Dauer nur Scheren
aus einem guten Werkzeug- oder Kohlenstoffstahl. Edelstahl eignet sich
nicht. Sie rosten zwar nicht, aber sie bleiben wegen ihrer Legierungsbestandteile
(vor allem Chrom) nicht wirklich standhaft. Eine gute Schere kostet leider
ziemlich viel Geld, doch hierbei sollte man nicht sparen. Zur Stabilität
und dem richtigen Material kommt eine gute Form. Und hier ist es besonders
schwierig die richtige zu finden. Gute Schneiderscheren erfüllen
zwar die Voraussetzungen bezüglich Material und Qualität sind
aber oft ungünstig wegen der langen Schneide und den kurzen Hebeln
an der Griffseite. Optimal ist eine geschmiedete kräftige Schere
aus Werkzeugstahl bei der Klinge und Handgriff etwa gleich lang sind.
Für feine Arbeiten eigenen sich die Scheren der Frisöre, die
ja den gleichen Anforderungen gewachsen sein müssen. Fragt mal Eure
Friseuse, ihr werdet staunen wie viel Geld die ausgeben müssen. Scheren
aus Kohlenstoffstählen sind sehr rostanfällig, sie bedürfen
sorgfältiger Pflege. Aber das muss man bei den Preisen wohl nicht
besonders erwähnen.
Zurück zum Filz:
Sehr dünne und/oder sehr dichte Filze sind an den Schnittstellen
auch sehr dicht und sauber. Sie können oft so bleiben wie sie sind.
Aber losere und vor allem dickere Filze sind an den Schnittstellen häufig
sehr offen und lose. Sie sehen nicht gut aus oder - und das ist das Schlimmere
- fransen aus. Oft bedauern wir, überhaupt schneiden zu müssen,
weil wir die Kante fürchten. Das muss aber nicht sein.
Schneiden wir am feuchten Teil, so können wir die Schnittkante leicht
durch geschicktes Einrollen wieder verdichten. Entweder von einer Seite
oder von beiden. Haben wir einen zweifarbigen Filz (double face - also
zwei, farbig von einander abweichende Flächen) dann zeigt sich die
Farbe der Gegenseite an der Kante auf der Seite an der wir arbeiten.
Allermeistens schneiden wir jedoch am trockenen Filz. Jetzt hilft uns
folgender Trick: wir gießen über die geschnittene Kante ganz
heißes Wasser (kann kochen). Dann warten wir mind. 10 Minuten (eher
länger) und rollen die Kanten wie gewohnt ein. Das heiße Wasser
verdunstet an der Oberfläche des Filzes. Der dabei entstehende Dampf
(den wir nicht sehen!!) dringt zu einem gewissen Teil in die umgebenden
Wollfasern ein und macht sie filzwillig. Das klappt ganz hervorragend.
Wir bekommen eine super gerade, saubere Kante, der niemand mehr ansieht,
dass sie geschnitten wurde.
Eine Besonderheit für die Arbeit mit einer Schere habe ich hier mitgebracht.
Das rote Herz liegt tiefer in der Oberfläche des Filzes. Der Filz
ist zweifarbig rot/blau. Auf der blauen Seite wurde das Herz aus dem blauen
Filz heraus geschnitten, die rote Fläche blieb erhalten. Das Herausschneiden
geschah zwar mit einer Schere, doch bedurfte dieser Effekt einer besonderen
Vorbereitung. An genau dieser Stelle wurde eine herzförmige Schablone
zwischen die beiden Wollschichten gelegt. Die Flächen wurden genau
in diesem Bereich von einander getrennt gehalten. Rundherum verbanden
sich die Wollschichten, hier nicht. So konnte ich eine der beiden Flächen
heraus schneiden.
Zum blauen Herz auf der roten Seite komme ich später.
Eine typische Anwendung für diese Technik war ein Filzteppich meiner
Frau, bei dem Fußspuren im Schnee dargestellt werden sollten.
b) Schneiden mit einem Messer. Wenn wir sehr lange, gerade Schnitte
machen wollen ist es verlockend, das Messer statt der Schere zu verwenden.
Messer schneiden immer nur von einer Seite und benötigen eine geeignete
Unterlage. Sind Messer nicht wirklich sehr scharf, dann ziehen sie den
Filz mit. Das verhindern wir mit einem sehr stabilen Lineal, das fest
auf die Unterlage gedrückt wird (schweres Stahllineal). Das ist alles
sehr ungünstig. Besonders wenn wir einen sogenannten Cutter (mit
abbrechbaren Spitzen) verwenden. Diese sind meistens von miserabler Material-Qualität
und bleiben nur ganz kurze Zeit scharf. Professionelle Teppichmesser bieten
sich an, sie halten etwas länger. Aber der Schnitt wird nie so sauber
wie bei einer Schere. Dafür aber gerade und das ist ja auch wichtig.
Die Lösung hierfür liegt beim Rollmesser, wie es die Patchworker
verwenden. Sie ziehen nie, sonder rollen. Und sie sind meistens von guter
Qualität. Leider ist es schwierig sie zu schärfen.
Für Kurven sollten wir immer Scheren verwenden.
Aber es gibt ja auch noch etwas anderes als Flächenfilze. Sauber
aufgebaute und gestaltete Filzrollen zeigen ja erst nach dem Schneiden
in Scheiben ihren schönen Inhalt. Hierfür eignen sich nur gute,
scharfe Messer. Auch sie sollten sehr stabil sein und vor allem Scharf
sein und bleiben. Optimal sind gute Koch- oder Fleischermesser. Der Vorteil
eines guten Messers ist, dass wir es immer wieder gut schärfen können.
c) Das Schneiden mit einer Säge. Ja, Ihr habt richtig gehört.
Sehr dünne Scheiben oder sehr weicher Filz oder ganzbesondere Formen
lassen sich mit einem Messer nur bedingt schneiden. Ja aber Sägen
doch wohl noch weniger. Das stimmt! Aber da gibt es einen Trick, der auch
für die weitern Methoden wie Bohren oder Fräsen gültig
ist. Wir machen den Filz für kurze Zeit richtig hart. Wie? Wir vereisen
ihn. Wir legen das gut durchnässte Filzteil für mindestens 3
- 4 Tage in einen Tiefkühlschrank. Bei dicken Teilen auch länger.
Die hohe Isolierung durch Wolle lässt die Kälte nur langsam
eindringen. Es muss aber durch und durch gefroren sein. Ich selbst versuche
eine Temperatur von etwa -30°C zu erreichen, wie kalt es dann im Kern
ist weiß ich nicht. Dieses vereiste Teil lässt sich mit einem
scharfen, stabilem Werkzeug ganz leicht schneiden. Mit einem Kreisschneider
(eigentlich ja eine zu einem Kreis gerundete Säge) können wir
so auch aus dicken Filzplatten runde Scheiben herausschneiden oder eben
runde Löcher hinein. Für solche Formteile, die sehr, sehr viel
benötigt werden, wurden in der Industrie besondere Stanzwerkzeuge
entwickelt. Stanzen ist auch nichts anderes, als das Ausschneiden mit
Hilfe eines ganz besonders geformten Messers.
d) Das Bohren oder Fräsen. Ein durch und durch vereistes Teil können
wir mit einem scharfen Holzbohren oder einem runden Fräser bearbeiten
wie Holz. Beim Arbeiten schmelzen zwar die ausgeschnittenen, zerspahnten
Fasern, doch diese können wir leicht entfernen. Manchmal ist es erforderlich,
das Filzteil noch einmal einzufrieren weil es während der Arbeit
auftaut.
Das größte Problem beim Einfrieren von Filz ist jedoch das
Nassmachen von dicken, kompakten Filzteilen zum Beispiel von Filzkugeln.
Ist der Filz einer Kugel erst einmal richtig durch und durch trocken,
so lässt die (hydrophobe!!!) Wolle kein Wasser mehr in die innere
Struktur eindringen.
Beabsichtigen wir von vorne herein, eine Kugel mit einer oder mehreren
Löchern zu versehen, dann sollten wir sie besser gar nicht erst trocknen
lassen, sondern sofort nach dem Auswaschen einfrieren.
Ansonsten müssen wir das Wasser mit Seifen oder Tensiden so präparieren,
dass die Oberflächespannung soweit abnimmt, dass der Filz Wasser
eindringen lässt. Das ist oft sehr schwierig. Eine Kugel von sagen
wir 10cm Durchmesser und einem Gewicht von 100 Gramm ist so dicht und
dick, dass sie noch nach drei Tagen in einer sehr warm angesetzten Olivenseifenlauge
schwamm. Erst sehr viel Spülmittel im Wasser ließ die Kugel
nach einigen Tagen untergehen. Dann erst können wir erwarten, dass
das Wasser den Filz voll durchdrungen hat.
Das Bearbeiten mit einer Nadel. Eine weitere Möglichkeit
ein Filzteil nach seiner Herstellung zu verändern ist die Arbeit
mit Nadeln. Da müssen wir jedoch ganz generell unterscheiden zwischen
einer Näh- oder Sticknadel und einer Filznadel
a) Das Arbeiten mit einer Näh- oder Sticknadel.Dieses Gebiet
ist unendlich groß. Wir können einzelne Teile nebeneinander
zu einer größeren Fläche zusammennähen. Wir können
verschiedene Muster zusammenfügen und vernähen. Wir können
verschiedene Teile ganz oder teilweise aufeinander nähen. Wir können
aber auch den Filz selbst durch Steppen oder Besticken ganz unmittelbar
verändern. Hier Beispiele anführen hieße wohl Eulen nach
Athen tragen.
Schauen wir uns doch alleine mal die wohl großartigsten Arbeiten
auf diesem Gebiet, die Shirdak -Teppiche der Kirgisen an. Handgewalkte
Filze in vielen Farben, Saubere Formschnitte und eine Kombination von
Näh-, Stick- und Stepparbeiten mit der Nadel.
Oder, die in ihrer besonderen Art ebenso vielfältigen Stepparbeiten
der Mongolischen Teppiche. In Indien werden Wollteppiche gerne mit vielfältigen
Blumenmustern bestickt.
Aber auch die moderneren Arbeiten kommen ohne die Nadeln nicht aus. Denken
wir an die Masken von Beate Bossert und Jeanette Rucktäschel bei
der Musik- und Tanzschau während der 5. Filzbegegnung bei Göttingen.
Oder an die vielen Gnome und Gesichter und sonstigen stark strukturierten
Arbeiten.
b) Das Arbeiten mit der Filznadel. Das ist nun ein ganz besonderes
Kapitel. Ende der 90er Jahre tauchten so langsam die in der Industrie
schon lange bekannten und verwendeten Filznadeln auch in den Händen
der FilzmacherInnen auf. Zunächst für Reparaturen, dann aber
schnell auch immer mehr im gestalterischen Bereich. Heute ist das "Trockenfilzen"
voll im Trend und findet viele AnwenderInnen auch außerhalb der
eigentlichen Filzmacher. Diese Nadeln führen mit ihrer besonderen
Funktionsweise Fasern mechanisch durch einen Verband von Fasern. Diese
werden dadurch im Verband platziert und angeordnet. Machen wir dies bei
halbfertigen Filzteilen so können wir diese zusätzlich gestalten.
Walken wir dann weiter, so verbindet sich alles zu einem festen Filz.
Unser Thema ist die Veränderung nach dem Filzen der Wolle. Auch hier
können wir Wolle oder andere Fasern nachträglich hinzufügen
und somit die Oberfläche verändern. Der Zauberer und der Clown
erhielten so ihre "Schminke". Ganz dünne Wollschichten
bilden die Hautoberfläche und farbige Fasern führen zu den Augen,
den Mund und anderen Schmuckelementen. Da bei dieser Arbeitsweise das
fertige Teil nicht mehr gewalkt wird, sind die Fasern nicht allzu fest
mit der Grundform verbunden. Doch ist dies vor allem abhängig von
der Geduld des/derjenigen der/die es ausführt. Ich selbst bearbeite
die Flächen anschließend nass mit relativ viel Seife und gebe
der Oberfläche so etwas zusätzlichen Halt. Die farbige Oberfläche
wird so etwas wie eine Haut. Die Seife nehme ich natürlich soweit
es geht mit einem Schwamm heraus. Solange eine Objekt nur der Dekoration
dient und nicht mechanisch belastet wird, ist dies eine großartige
Methode. Und...na ja...es erinnert an das Schminken, das klassische "make-up",
das ja auch nicht immer unbedingt von Dauer ist. Und damit trifft es genau
unser Thema heute morgen.
Das Glätten. Nach dem Walken sind wir von der Oberfläche
des fertigen Teils oft etwas enttäuscht. Je nach Wolle, Wollmischung
oder (häufiger) einem Wollverbund ist die Oberfläche wellig
und buckelig. Ich spreche gerne von Orangenhaut oder Zellulitis (was gerade
bei Damen oft unangenehme Assoziationen auslöst). Dies Bückelchen
entstehen durch unregelmäßiges Wandern der einzelnen Fasern
oder manchmal auch Fasergruppen. Unterschiedliche Faserstrukturen oder
Faserlängen beeinflussen diesen Vorgang. Außer der Orangenhaut
gilt es auch Falten oder Beulen zu entfernen. Glätten sollten wir
immer im feuchten Zustand. Trocken beeinflussen wir die Faser überhaupt
nicht!
a) Glätten mit einem Walkholz. Ein Walkholz ist so etwas ähnliches
wie ein verkleinertes Walkbrett. Es ist meist recht kompakt, hat häufig
eine gebogene Arbeitsfläche und eine Grifffläche oder eine zusätzlichen
Griff. Die Arbeitsfläche ist quer zur Arbeitsrichtung weichrandig
aber grob geriffelt. Reiben wir damit kräftig über die Oberfläche
so walken wir genau in diesem Bereich weiter. Die Wirkung bleibt an der
Oberfläche, das Teil selbst schrumpft nicht weiter. Die Flächen
glätten sich bei feinen Wollsorten natürlich leichter als bei
groben. Vorteil beim Walkholz, das Teil kann liegen bleiben und wir erreichen
jede Stelle. Es eignet sich eigentlich nur bei der berühmten Orangenhaut,
nicht bei Falten oder Beulen.
b) beim Glätten auf dem Walkbrett passiert das gleiche wie
beim Walkholz. Das Brett liegt jedoch glatt, die Arbeitsfläche ist
nicht gerundet aber meist wesentlich größer. Das Filzteil muss
über das fest liegende Brett gerieben werden. Auch diese Methode
eignet sich nicht bei Beulen. Bei Falten nur sehr bedingt.
c) Glätten mit Rollhölzern. Was ist ein Rollholz? Ja
eigentlich ganz einfach ein rundes Stück Holz von einer bestimmten
Länge. Wenn wir damit kräftig über die Oberfläche
eines Filzteils rollen, so wird genau an der Linie, die unten den Filz
berührt ein gewisser Druck auf die darunter liegenden Fasern ausgeübt.
Bei sehr hohem Druck werden die oberen Fasern fest in den Untergrund hinein
gedrückt. Ob sie dort bleiben oder gleich nach Entlastung zurückkehren
an ihre vorherige Position, hängt von der Dichte des Filzes, der
richtigen Arbeitstechnik und der Höhe des Druckes ab. Ein dünnes
Holz mit einem kleinen Durchmesser ( nicht über 30mm) taucht tiefer
in die Oberfläche ein und wirkt effektiver als ein zu dickes. Den
Druck erzeugen wir dabei mittels einem auf das Rundholz gelegten Brett
auf welches wir von oben kräftig drücken und dabei so hin und
her führen, dass sich die Rolle dreht. Ein Nudelholz eignet sich
nicht. Es ist zu dick und wir schaffen keinen ausreichenden Druck. Auch
mit dieser Methode kann ich zwar eine Orangenhaut glätten aber keine
Beulen. Diese entstehen eher, als dass sie verschwinden.
c) Glätten mit dem Bügeleisen. Das Bügeleisen eignet
sich hervorragend zum Glätten von Falten aller Art. Auch Beulen lassen
sich bei geschickter Handhabung gut entfernen. Eine Orangenhaut lässt
sich jedoch nicht soweit verdichten, dass sie verschwindet. Beim Bügeln
üben wir zwar von oben her einen gewissen Druck aus, doch kommt es
nirgendwo zu einer Verschiebung von Fasern. Da wir beim Bügeln entweder
mit Dampf oder einem untergelegten feuchten Tuch arbeiten muss der Filz
nicht feucht sein. Ein Tuch zwischen Eisen und Filz verhindert glänzende
Stellen. Ganz allgemein ist ein feuchtes bis nasses Tuch als Zwischenlage
oder das kräftige Einsprühen der Filzoberfläche mit Wasser
effektiver als das Bügeln mit Dampf aus dem Eisen.
Das Dekadieren oder Einbügeln von Falten. Mit Dekadieren
meinen wir das Fixieren des Filzes in einer besonderen Form. Dazu muss
ich ein klein wenig ausholen: Bei hohen Temperaturen und unter Anwesenheit
von Wasser ergeben sich in der inneren Struktur der Wollfasern verschiedene
Veränderungen. Das führt dazu, dass sich die Fasern leicht verbiegen
lassen. Erkalten die Fasern und verlieren das Wasser, dann bleibt die
einmal verbogene Faser in dieser neuen Lage. Bringe ich einen Filz unter
Hitze und Feuchtigkeit in eine bestimmte Form, halte diese Form während
des Trocknens und Erkaltens, dann kehrt das Filzteil nicht in seine vorherige
Form zurück. Auf diese Weise kann ich also mit einem Bügeleisen
(Druck und Hitze) einen feuchten Filz (z.B. nasses Tuch auflegen) Falten
oder andere Formen fixieren. Leider (oder glücklicherweise) erholt
sich Wolle mit der Zeit und unter dem Einfluss von Feuchtigkeit soweit,
dass die meisten Falten sich wieder glätten.
Das Kämmen oder Bürsten. Natürlich können
wir eine sehr haarige, langflorige Oberfläche mit einem geeigneten
Kamm kämmen. Doch kommt dies kaum vor. Meisten kämmen oder bürsten
wir mit einer Bürste. Dabei bringen wir alle aus der Oberfläche
heraus ragenden Fasern in eine Richtung und richten sie parallel aus.
Außerdem entfernen wir viele Fremdkörper.
a) Das Bürsten mit einer weichen Bürste. Dieses dient
vor allem der Reinigung und Pflege. Die Oberfläche selbst können
wir nicht verändern oder beeinflussen. Regelmäßiges Bürsten
mit einer weichen bis mittelharten Bürste ist die beste Pflege, die
wir einem Filz angedeihen lassen können.
B) Beim Bürsten mit etwas härteren oder gar sehr harten Bürsten
wirke ich auf die Oberflächenfasern so stark ein, dass diese sich
zum Teil aus dem Verband heraus lösen und einen veloursartigen Flor
bilden. Die Härte der Bürste wähle ich nach der verwendeten
Wolle. Bei dicken, kräftigen Wollen (z.B. Bergschafen) wähle
ich eine sehr harte Bürste. Geeignet sind auch Metallbürsten.
Bei weicheren Filzen die Messingbürsten der Elektriker und bei harten
Filzen und starker Wolle nehme ich grundsätzlich sehr harte (rostfreie)
Stahlbürsten. Damit gebe ich der Oberfläche einen fast haarigen
Charakter. Bei Hüten oder Kleidung erhält die Oberfläche
so einen wasserableitenden Strich. Das gleiche Verfahren wird bei Loden
angewendet. Auch hier wird die Oberfläche kräftig von oben nach
unten gebürstet.
Kombination von Bürsten und Bügeln. Hart herausgekämmte
und gerichtete Faser kann ich mit einem Bügeleisen und einem feuchten
Tuch durch Dekadieren gut in einer bestimmten Richtung fixieren. Das hält
besser als Falten.
Das Rasieren. Nun wollen wir sehr oft gar keine haarige Oberfläche
sondern eher eine ganz glatte. Das ist kein Problem. Wir rasieren die
Oberfläche im feuchten Zustand. Bei feinen Fasern funktioniert das
ganz leicht und effektiv. Bei gröberen Fasern benötigen wir
eine wirklich scharfe Klinge. Außerdem empfiehlt sich dabei den
Filz feucht und sehr warm zu halten, die Fasern werden weicher. Ich verwende
ausschließlich einfache Einmalrasierer, werden sie stumpf tausche
ich sie aus. Als Bartträger habe ich gar keinen Rasierapparat. Elektrische
Geräte werden sehr beansprucht, aber härter als Barthaare sind
Wollhaare auch nicht.
Das Schleifen. Vor allem Hutmacher, die ja besonders dichte Filze
verwenden, glätten die Oberflächen häufig mit mittelfeinem
Schmirgel. Das klappt jedoch nur bei wirklich trockenem und möglich
kaltem Filz. Die Körnung des Schmirgels muss man ausprobieren.
Das Steifen. Oft erscheint uns das Filzteil trotz aller Dichte
immer noch zu weich. Außerdem lässt die Formbeständigkeit
oft zu wünschen übrig. Diesem Problem begegnen vor allem die
Hutmacher mit dem Steifen. Hierbei wird dem Filz eine Flüssigkeit
zugeführt, die entweder durch Wärme fixiert wird oder durch
Trocknen an der Luft härtet. Auch bei anderen Filzteilen, die eine
ganz bestimmte Form oder Struktur behalten sollen (z.B. Masken) können
wir so behandeln. Die klassische Methode Filz zu steifen ist das Tränken
mit Schellack. Dies ist ein spezielles Baumharz, welches sich mit Terpentin
lösen lässt oder durch Wärme zum Schmelzen gebracht wird.
Beim Letzteren wird das Harz fein zerstoßen und mit einem Bügeleisen
in den Filz eingeschmolzen. Die Menge bestimmt den Härtegrad. Das
Lösen in einer Flüssigkeit übernimmt heute die, solche
Mittel anbietende Industrie. Die Arbeit damit ist einfach. Wir beachten
die Herstellerangaben. Auch Kunstharz-Versteifungsmittel werden angeboten,
die sich meist noch leichter verarbeiten lassen. Vor allem sind diese
meist vollkommen farbneutral, Schellack verfärbt manchmal leicht
gelblich (bei weißem Filz nicht schön). Ein weiteres klassischen
Steifungsmittel ist Gummiarabikum. Man bekommt es manchmal in Apotheken
oder im Feinkosthandel. Am leichtsten bei türkischen Lebensmittelhändlern,
da Gummiarabikum auch beim Kochen verwendet wird. Durch geschicktes Verdünnen
können wir damit die Steifheit des Filzes sehr gut steuern. Leider
ist es nicht wasserfest, darum nicht für Hüte geeignet. Wenn
es um leichtes Stabilisieren geht, so genügt oft die Verwendung ganz
normaler Wäschesteife. Ungünstig sind Sprühflaschen. Besser
ist es die Flüssigkeit mit Wasser zu verdünnen und mit einem
Schwamm auf den Filz aufzutragen. Unverdünnte Stärke macht das
Teil sehr steif. Ich verdünne am liebsten 2 - 3 Teile Wasser mit
1 Teil Stärke, aber das muss jeder selber ausprobieren. Da Wolle
Wasser abweist und nicht in das Gefüge eindringen lässt, füge
ich der Lösung immer ein wenig Spülmittel (Pril...) zum Entspannen
zu. Leider ist auch diese Steife nicht wasserfest und muss ab und zu erneuert
werden (wie die Wäsche). Eine gute Lösung bei leichten Blütenblättern
oder sonstigen feinen Schmuckteilen (Verdünnung 1 : 6). Bringen wir
das Filzteil in eine leicht hohle Form und tränken es mit verdünnter
Stärke, dann können wir nicht gut bügeln. Dann unbedingt
an einem sehr warmen Ort trocknen lassen. Ggf. im Backofen (Heißluft
80-90°C). Bügeln ist besser. Geht es um Wasserresistenz, können
wir auch Universalverdünnung, Tapetenschutz oder farblosen, matten,
wasserverdünnbaren Acryllack nehmen. Auch hier verdünnen und
entspannen (Spülmittel hinzu geben). Nicht für alle Zwecke geeignet,
da oft starke Verfärbungen. Gut bei rauen erdfarbenen Wollsorten.
Rustikale Wanderhüte werden nicht nur steif sondern auch wasserfest.
Das Färben. Wolle färben ist nicht ganz einfach. Die
Fasern müssen richtig geöffnet werden und durch Beizen vorbereitet
werden. Das ist ein riesiges eigenes Gebiet auf das ich hier nicht eingehen
kann und möchte. Am einfachsten geht es noch mit fertigen, chemisch
hergestellten Wollfarben aus dem Handel. Hier beachten wir die Gebrauchsanweisung.
Wolle wird immer in einem Färbebad gefärbt, was automatisch
zum Durchfärben eines Filzteils führt. "Doubleface"
also auf beiden Seiten unterschiedliche Farbe erreichen wir durch die
Verwendung verschiedenfarbiger Wolle schon zu Beginn der Filzherstellung.
Neben dem Färben des kompletten Filzteils im Färbebad können
wir durch verschiedene Techniken auch Teilbereiche einer Filzfläche
färben. Zum Beispiel indem wir nur eine Ecke des Filzes in das Färbebad
einbringen. Oder bestimmte Bereiche durch Abbinden, Abnähen oder
sonst wie daran hindern Farbe aufzunehmen.
Das Anmalen. Das Bemalen einer fertigen Filzoberfläche, meist
mit einer thermischen Fixierung verbunden, wurde erst mit der Entwicklung
moderner Textilfarben möglich. Die meisten Farben wurden zwar für
das Bemalen von Baumwolle entwickelt, doch funktioniert es meist auch
auf Wolle. Ganz leicht geht es mit Stoffmalstiften, die es in großer
Auswahl von mehreren Herstellern gibt. Es gibt dicke und dünne Stifte,
deckende und transparente. Alle müssen nach dem Trocknen mit einem
Bügeleisen fixiert werden. Auch mit Stoffmalfarben auf Acrylbasis
(also wasserverdünnbar) können wir auf Filz malen. Hier empfiehlt
es sich, eventuell zu verdünnen und zu entspannen (Spülmittel..).
Diese müssen gut trocknen (kann lange dauern), werden aber nicht
thermisch fixiert. Auch mit Seidenmalfarben können wir es versuchen.
Nicht alle eignen sich gleich gut (ausprobieren!)

So leicht dies alles geht, hat es jedoch einen Haken. Die Farben dringen
nicht wirklich in die Fasern ein, sondern bleiben mehr oder weniger an
der Oberfläche. Sind sie sehr elastisch geht das ziemlich lange gut.
Tragen wir zu dick auf und die Farbe wird spürbar hart, dann ist
es nur eine Frage der Zeit wann sich die Wolle durch ihre Fähigkeit
zur Selbstreinigung davon befreit hat. Bemalen wir den Filz unmittelbar
nach dem Walken so sind die Fasern noch sehr offen und lassen die Farbe
auch bis an die Innenseiten der Epidermisschuppen herankommen. Das macht
die Sache haltbarer als wenn wir den trockenen Filz bemalen. Achtung,
nicht die Feuchtigkeit ist dafür verantwortlich sondern die geöffneten
Schuppen. Es reicht also nicht den Filz vor dem Bemalen nass zu machen.
Wenn, dann nur so: ganz heißes Wasser darüber gießen
und warten bis der Dampf in die Fasern eingedrungen ist. Dann bemalen.
Abschluss: Diese kleine Übersicht über die vielfältigen
Möglichkeiten der Nachbearbeitung des fertigen Filzes deckt das Thema
natürlich nicht vollständig ab. Soll es auch nicht. Es soll
Euch anregen, weitere Methoden und Techniken auszuprobieren und vor allem
miteinander zu kombinieren.
Ich wünsche Euch viele interessante Entdeckungen und viel Erfolg
bei allem was Ihr vorhabt
Bruno Bujack...........der Filzwalker-Bruno aus dem schönen Düsseldorf
am Rhein
|
|